2007-12-12

Idea fragt weiter: Ist eine neue fromme Bewegung nötig?

Habe ich die Tage noch in einem Artikel mit Sarkasmus auf den Beitrag bei Idea reagiert, der unter dem Titel "Helfen uns immer neue Bewegungen?" die Emerging Church für die Spendenproblematik traditioneller Institutionen, wie dem ERF, verantwortlich machte, so vergeht mir so langsam sogar das schwarze Lachen.

Inzwischen breitet Idea das Thema mit einem weiteren Artikel aus, der lautet:

Ist eine neue fromme Bewegung nötig?


Im Teaser dazu heißt es:
Sie gilt als die kommende evangelistische Bewegung in der USA: „Emerging Church“ (auf Deutsch: Aufkommende Kirche). Sie will neue Methoden in Mission und Botschaft praktizieren. Die nach Willow Creek zweite große US-Gemeindeerneuerungsbewegung fasst allmählich auch im deutschsprachigen Europa Fuß.
Diese Kurzdarstellung der Emerging Church als Noch-ein-Willow-Creek, welches "neue Methoden" praktizieren will, lässt mich nun wirklich mit einem enttäuschten Seufzer zurücksinken. Und eine innere Stimme fragt ständig: "Was soll das???"

Vielmehr noch, wenn ich parallel dazu in meinem Reader folgenden Idea-Artikel finde:
Bibel TV bekommt Konkurrenz

Die Tage wurde noch die Emerging Church beschuldigt, etablierten Institutionen -wie dem ERF- das Wasser abzugraben, und heute nun eine solche Schlagzeile. Ich frage mich also:

Ist ein weiterer christlicher TV-Sender nötig?


Und:
Inwieweit graben sich Evangelisations-Werke gegenseitig die Spendengelder ab?

Als ehemaliger ehrenamtlicher Mitarbeiter und Ex-Vorstandsmitglied eines Vereines, welcher evangelistische Arbeit im Internet betreibt, weiß ich um die Grabenkämpfe, die teilweise auch mit harten Bandagen hinter den Kulissen evangelistischer Werke geführt werden.

Ein wenig zynisch muss man da wahrnehmen, wie in manchen christlichen Kreisen die Evolutionstheorie so starke Ablehnung erfährt, andererseits jedoch der Daseinskampf gemäß "survival of the fittest" in den Werken so plastisch demonstriert wird.

Betrachte ich die Institutionalisierung der Kirchen und Werke gegenüber den Bewegung(en), die sich rund um das Emerging-Label auftun, so erinnert mich das doch sehr stark an die Kämpfe und Debatten, die sich im Open-Source Software Umfeld abgespielt haben. Kann es sein, dass im Glaubenssektor "The Cathedral and the Bazaar"(1) eine Nachahmung erlebt?

Wann also werden wir lernen, Einrichtungen mit ihren Kompetenzen nicht auf Konkurrenzbasis, sondern auf Synergiebasis für das gemeinsame Ziel einzusetzen? Zu vernetzen statt Gebiete abzustecken? Zu verbinden statt zu erobern? Neue Gebiete zu entdecken und zu erforschen, statt um die bereits besetzten ständig zu kämpfen?

Denn an einer Stelle hat Idea ja recht: Deutschland ist Missionsland


(1) Leider ist die deutsche Übersetzung anscheinend nicht mehr verfügbar.

2007-12-04

Idea fragt: Helfen uns immer neue Bewegungen?

Achtung, Glosse!
Ein sehr interessanter Artikel erschien heute bei Idea Spektrum.

Interessant deshalb, weil drei sehr eigenartige Themen in einem genialen Rundumschlag miteinander vermischt werden.

1.) macht dieser Artikel darauf aufmerksam, dass etablierte diakonische Werke in die Krise geraten, weil ihnen die Spendengelder ausgehen. Das finde ich selbst auch recht bedenklich, gerade bei Einrichtungen, die wirklich am Puls der Not sind, wie das Weiße und das Blaue Kreuz.

2.) macht der Artikel plötzlich und unerwartet die EmergingChurch dafür verantwortlich und stellt sie als neue Bewegung hin, die den Traditionellen durch ihr Auftreten die Spendengelder abgräbt.

3.) kommt das Böse natürlich wieder mal aus den USA, dem pseudo-gläubigen Staat, der eine volkschristliche Fassade vorführt, und unter der Haube die böse Brut trägt, kommen doch aus den USA und dem gleich mit zu verurteilenden Großbritannien auch die Bestseller-Atheisten, die nun den deutschen Markt überschwemmen.

Also: Emerging Church, eine recht neue Bewegung, die im Wesentlichen aus vernetzten Bloggern und Websites, aus Studierenden oder Dozierenden oder im Gemeindedienst Praktizierenden besteht,
keinerlei institutionellen Unterbau hat, und sich in Debatten mit theologischen Fragen und Gemeindeaufbau beschäftigt, wird plötzlich zum Finanz-Feind von etablierten diakonischen Einrichtungen und Werken !
Und man kann der Emerging Church sowieso nicht trauen, weil die Vorzeige-Atheisten kommen ja aus dem gleichen Kontinent!

Genial. Endlich verstehe ich die schwierigen geistlichen und weltlichen Zusammenhänge.

Das klingt wie: Seitdem es Philosophieunterricht an Schulen gibt, spenden weniger Leute Blut. Und Nietsche war sowieso böse.

Das Fazit ist dann wirklich "beeindruckend":

Vielleicht sollte sich deshalb manche US-Bewegung stärker auf das eigene Land konzentrieren. Und manche deutsche Gruppe, die sich nach geistlicher Erneuerung sehnt, könnte wieder einmal fragen, ob nicht auch die vorhandenen Erkenntnisse und Werke es wert wären, genutzt – und möglicherweise optimiert – zu werden.
Eigenartig, dass knapp davor noch folgende Kritik an der Emerging Church zu lesen war:
Andererseits: Es ist kaum eine wirklich neue Erkenntnis dabei gewesen.
Was denn nun, Herr Matthies? Erst sollen vorhandene Erkenntnisse genutzt werden, dann ist es plötzlich verwunderlich, dass nichts Neues dabei ist?

Nebenbei: "Ami go home" und "Kaufe deutsch" ist auch nicht gerade neu ... vielleicht sollten auch vorhandene Erkenntnisse mit diesen Sprüchen einmal wieder hervorgekramt werden?
Die Globalisierung (im Guten wie im Schlechten) scheint jedenfalls am Autor vorbeigegangen zu sein. Back to the National Roots.

Wie gut sich der Autor Herr Matthies in der ganzen Szene auskennt, zeigt auch folgender Satz:
Es ist sicher oft hilfreich, über den deutschen Tellerrand zu blicken, um Anregungen zu erhalten. Aber nimmt man eigentlich noch die Erkenntnisse der eigenen „Väter“ zur Kenntnis?
Nun, Herr Matthies, falls Sie sich einmal die Mühe machen, in die deutsche Blogosphäre rund um die Emerging Church Szene zu schauen, werden sie vielleicht überrascht feststellen, dass man dort tatsächlich Zitate und Abhandlungen zu den eigenen Vätern findet.
Wenn Sie sich dann weiter in das Thema einlesen, werden sie vielleicht auch feststellen, dass gerade auch die Wiederentdeckung verlorengegangener, wertvoller Traditionen ein Kennzeichen der Emerging Church Bewegung ist.

Und wenn Sie dann noch weiter schauen, entdecken Sie vielleicht sogar, dass die Leute hinter der deutschen Szene ständig kritisch danach fragen, ob und inwieweit die amerikanischen Aussagen für Deutschland gelten und hier überhaupt umsetzbar sind. (Übrigens: Genau das kennzeichnet eine Debatte oder "Konversation").

Und wenn ich im Artikel lese, dass gerade die jungen(!) Leute, die versuchen, Glauben und Leben in der zeitgenössischen Gesellschaft ganzheitlich und integrativ zu leben; die versuchen, Mission, Diakonie und authentisches Handeln nicht aus ihrem Leben auszuklammern, sondern viele der traditionellen Kanzel-Predigt-Worte auch tatsächlich umzusetzen, Schuld an der Spendenmüdigkeit der finanzstarken -meist älteren und in eben genau den traditionellen Gemeinden aufzufindenden- Generation sind, dann weiß ich nicht, ob für diesen Artikel überhaupt irgendetwas an Hintergrund recherchiert wurde.

Damit sinkt für mich IDEA einmal mehr auf das journalistische Niveau einer frommen Bildzeitung herab.

Morgengedanken

Kennst Du das? Man sitzt morgens im dumpfen Halbschlaf am Frühstückstisch, steht morgens semikonziös vor dem Spiegel, hängt eine halbe Stunde vor sich hin dämmernd in der S-Bahn herum, und dabei gehen einem ganz frei und locker diese Gedanken durch den Kopf. Je nach Stimmung und Wetterlage mal eher düstere Gedanken, mal ziemlich verrückte, mal kreative, mal analytisch-kritische, mal total unbedeutende...

Eines sind diese Gedanken nicht: sauber strukturiert, durchdacht, intentional. Sie gleichen mehr einer virtuellen Couch mit freier Assoziation.
Man ist noch viel zu dösig, als das der innere Wächter und Lenker, der mentale Spam- und Virusfilter sonderlich aktiv wäre und gleich alles auf seine Bedeutsamkeit und Sinnhaftigkeit hin untersucht und aussortiert.

Unter dem Label Morgengedanken werde ich das ein oder andere, was mir so durch den Kopf geht, einfach mal aufschreiben. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Warum werde ich sie hier aufschreiben?



Hmmm. Warum nicht?

2007-11-08

JA-GoDi: Gottesdienst - alttestamentlich

Weiter geht es in der Reihe zum Arbeitsmaterial "Jahresaufgabe Gottesdienst" der Jugendarbeit des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.

Der zweite Artikel, von Ingo Briel, ist betitelt mit: "Gottesdienst in der Hebräischen Bibel" und führt uns in das Gottesdienstwesen des Alten Testamentes ein, wobei der Begriff "Altes Testament" bewußt durch "Hebräische Bibel" ersetzt wird, um ein falsches Verständnis von "alt" als gleichbedeutend mit "überholt" zu vermeiden.


Bedenke ich die Tendenzen in der postmodernen Debatte, so scheint mir diese Gefahr weniger zu bestehen, da dort durchaus eine unter dem Begriff Retro-Spiritualität geführte Diskussion gerade die Suche nach Ursprünglichem in den Gestaltungsweisen hervorbringt statt sie zu vermeiden.

Allgemeines

Dieser Abschnitt, als Einleitung, glänzt in meinen Augen damit, dass er drei Grundaussagen trifft, die es tatsächlich in der Diskussion um Gottesdienstgestaltung zu beachten gilt:

1.) "Zum einen findet man in der HB nicht eine einheitliche Form des Gottesdienstes"
2.) "Zum anderen muss man bedenken, dass es im Laufe der Geschichte Israels eine Reihe von Veränderungen in der Gottesdienstpraxis gegeben hat."
3.) "[...]zwei Traditionen, die den Gottesdienst in Israel zu jeder Zeit ausgezeichnet haben: Die Begegnung mit dem heiligen Gott und das Bekenntnis zu ihm als Retter Israels."

Meiner Ansicht nach eröffnen diese drei Aussagen eine weite Tür, die es ermöglicht, Form und Durchführung von Gottesdiensten prinzipiell zu hinterfragen. Es gibt eben keine Form und keine Praxis, die als konstitutiv für den Gottesdienst aus den ältesten Schriften bereits abgeleitet werden kann. In diesem Wissen muss man also jeder voreiligen Ablehnung von Formänderungsvorschlägen und Praxisexperimenten prinzipiell in der Weise kritisch gegenüberstehen, ob diese tatsächlich theologisch begründet, seelsorgerlich begründet oder möglicherweise nur in einem starren Festhalten an einer bestimmten Kulturform und einer Inflexibilität in der Denkweise begründet ist.

Gerade was die theologische Begründung angeht, liefert der dritte Punkt aber zwei kraftvolle Prüfsteine für die Beurteilung von Formen und Praxis, und zwar sowohl der neu anzudenkenden als auch der aktuell ausgeübten.

Die Leitfragen können dabei sein:

  • Was bedeutet eigentlich "Begegnung mit Gott"?
  • Wie/Wodurch findet diese statt?
  • Welche (Ausdrucks-)Formen ermöglichen ein authentisches, freies, ehrliches Bekenntnis?

Die Begegnung mit dem heiligen Gott

Dieser Abschnitt enhält drei wichtige Punkte. Erstens, dass zu einem Gottesdienst im alten Testament eine Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott gehörte, zweitens, dass Gottesdienst durch Ehrfurcht vor Gott geprägt war und drittens, dass eine Reaktion auf die Begegnung mit Gott quasi als Verpflichtung angesehen wurde und somit konkrete Auswirkungen auf den Alltag hatte.

Speziell aus dem Punkt der Vorbereitung möchte ich hier noch einen Abschnitt hervorheben:

"Somit lässt sich festhalten, dass der Gottesdienst in der HB nie unvorbereitet begangen wird. Er erforderte eine zeitliche und körperliche Vorbereitung. Der Pilger stellt sich auf die Begegnung mit Gott ein und erhofft eine Veränderung seiner Lebenssituation durch die Zuwendung Gottes: rettende Hilfe und lebensermöglichenden Segen. Das zeigt, dass der Pilger den Gottesdienst mit einer konkreten Erwartung begeht, die sich aus seiner Lebenssituation ergibt." (Hervorhebungen von mir).

Interessant ist hier, dass relativ unvorbereitet das Wort 'Pilger' eingeführt wird. Zum Tempel zu gehen bedeutete also, zum Teil erhebliche Mühen auf sich zu nehmen, um aktiv die Gottesbegegnung zu suchen. Dieser Aspekt gerät heute fast vollständig ins Hintertreffen, wo die größte Mühe für manche lediglich darin besteht, sonntags morgens frühzeitig aus dem Bett zu kommen. Auch ist für uns in der nach-neutestamentlichen Zeit Lebende die Vorstellung eines Gottes, der im Tempel seinen Wohnsitz hat, aufgehoben, wodurch der Besuch des Gottesdienstsaales seine besondere Heiligkeit in Relation zu alltäglichen Orten zu alltäglichen Zeiten nicht mehr in dem Maße aufweist, wie es für den alttestametarischen Israeliten bestanden haben muss. Gottesbezug, Gottesbegegnung hat viel mehr mit dem Hier und Jetzt, mit dem Ich und Du, als mit dem besonderen Ort und der besonderen Zeit zu tun.
Die Vorstellung, dass ich in ausgezeichneter Weise im Gottesdienst(-saal) Gott begegnen kann, darüberhinaus aber eher weniger, scheint in heutiger Zeit ein krasser Widerspruch zu Gottes Allgegenwart, allgegenwärtigem Handeln und dem Gesandtsein in die Welt (=Alltag) zu sein. Prinzipiell kann ich überall -zu jeder Zeit an jedem Ort- Gott begegnen, indem ich mich aus der Hektik zurückziehe und mich auf die Gegenwart Gottes, die sowieso schon besteht, einlasse.
Dadurch wird der Gottesdienst als zeitlich und örtlich gebundes Ereignis weniger zu einer Begegnung mit dem Heiligen, als es für den Israeliten der Fall war. Vielmehr zu einem 'Date', welches sich zwar durch besondere Handlungen und besonderes Zeit Nehmen für die Begegnung (Hinwendung) hervorhebt, jedoch nicht im Grundwesen von anderen Zeiten unterscheidet.

Und doch zeigt die zweite Hervorhebung, dass auch für den frühen Israeliten eine enge Verbindung zwischen der Gottesbegegnung und seinem Lebensalltag bestand. Das Aufsuchen der Gottesbegegnung, das Auf-sich-nehmen der Mühe war mit der konkreten Absicht verbunden, aus dieser Begegnung nicht unverändert hervorzugehen. Diesen Punkt gilt es auch heutzutage zu beachten, und zwar sowohl als Gottesdienstbesucher als auch gerade als Gottesdienstgestalter. Für Letztere ist die Frage relevant: "Ermöglicht unser Gottesdienst es den Besuchern, aus dem Gottesdienst verändert herauszugehen? Fördert er dieses Erleben?".

Bedeutung für heute

Während der vorherige Abschnitt einige durchaus nachdenkenswerte Impulse aus der Darstellung des alttestamentlichen Gottesdienstverständnisses bereithält, verliert dieser zweite Abschnitt in meinen Augen einiges. Als logische Konsequenz aus dem vorher Gesagten wird natürlich abgeleitet, dass für uns eine Vorbereitung auf Einstimmung auf den sonntäglichen Gottesdienst anzuraten sei und dazu konkret vorgeschlagen, sich die eigene Lebenssituation und seine Erwartungen vor dem Gottesdienstbesuch bewusst zu machen und mit Gottes Gegenwart und seiner Reaktion auf meine Bedürfnisse zu rechnen. Dazu wird angeraten, sich kokreter auf den Gottesdienst vorzubereiten und zu diesem Zweck auch einmal vor diesem jeweils einen der Wallfahrtspsalmen zu lesen. Auch der Hinweis, dass eine Gottesdienstvorbereitung nicht erst sonntags morgens beginnen könne, sondern bereits am Samstag abend beginne, ist sicher ein Punkt, der angesprochen werden kann, aber nicht als generellen Rat ohne Beachtung persönlichen Typusses und persönlicher Zugangsweisen des Einzelnen in dieser Form gemacht werden sollte.

Besondere Aufmerksamkeit erregte bei mir dann folgender Absatz:

"Dabei ist die Praxis zu hinterfragen, ob lange Feiern, inklusive Alkohol und Nächte durchfeiern, eine gute Vorbereitung auf den Gottesdienst sind. Der Genuss von Alkohol an sich stellt dabei nicht das Problem dar, solange es in Maßen geschieht. Auch das Weggehen und Feiern mit Freunden ist nicht das Problem. Nur wird dabei öfter der Gottesdienst am nächsten Morgen vergessen. Entweder wird er im eigenen Bett oder im Gottesdienstraum der Gemeinde verschlafen."

Interessant ist hier, dass eine nicht unerhebliche Erwartungshaltung an die Gottesdienstbesucher und deren Einstellung und Verhalten zu Tage tritt. Nicht hinterfragt wird aber die "gängige Praxis", trotz der Veränderungen in der Gesellschaft um uns herum in Bezug auf die Wochenendgestaltung Gottesdienste am Sonntag Morgen stattfinden zu lassen. Diese Praxis stellt sich aber zunehmend als nicht mehr zeitgemäß heraus. Gerade in einer Zeit, wo die Absonderung der Christen aus dem Rest der Gesellschaft (á la "ein Christ geht sonntags nicht auf den Fußballplatz!") nicht mehr funktioniert und diese gleichzeitig immer weniger Rücksicht auf religiöse Vorgaben nimmt, wäre es angeraten, über kulturkompatible Gottesdienstzeiten neu nachzudenken.

Hervorheben möchte ich abschließend den auch im Original hervorgehobenen Schlusssatz:

"Die Begegnung mit Gott im Gottesdienst sollte weder etwas Überraschendes und Seltenes, noch bloße Routine sein. Die Begegnung mit Gott kann nur das bleiben, was sie ist: lebensverändernd."

Hacker's Emblem

Heute habe ich (schon lange überfällig) auf dem Otherblog das Hacker Emblem angebracht:


hacker emblem


Ein Zitat aus der deutschen FAQ zum Logo gibt wieder, warum diese Tatsache und das Logo auch im Zusammenhang dieses Blogs, welches sich u.a. mit Emergent Church -bzw. Kirche und Glaube in zeitgenössischer Gesellschaft- beschäftigt, erwähnenswert ist:

Was ist das Logo?

Die Grafik oben auf dieser Seite symbolisiert einen Glider. Er beeinhaltet ein Muster einer mathematischen Simulation, genannt The Game of Life. In dieser Simulation geht es um einfache Regeln, wie sich Punkte in einem Gitter verhalten sollen. Dabei tauchen wundervoll komplexe Phänomene auf. Der Glider ist das einfachste Lebensmuster, das sich bewegt und gleichzeitig das wahrscheinlich am einfachsten wiederzuerkennende Muster.

[...]

In The Game of Life führen simple Regeln zu unerwarteten, verblüffend komplexen Mustern, welche sich nicht aus den Erkenntnissen bereits aufgetauchter Phänomene voraussagen lassen. Dies ist eine hübsche Parallele zum Phänomen der unerwarteten und überraschenden Entwicklung der Open Source-Gemeinschaft.

Da die Emergent Church Bewegung auch enge Verbindung zur Internetkultur hat und auch durch den Open Source Gedanken angeregt wird, sehe ich hier einen interessanten Zusammenhang zwischen dem Logo der Hacker-Kultur, der Theorie hinter dem Game of Life, dem Social Networking und der Emergent Church.

Faszinierend ...

(Ref: siehe auch: Agile Manifesto - Zusammenhang zwischen Agiler Software-Entwicklung, Postmoderne und Kirche)

2007-11-02

Die eigene Wahrnehmung wahrnehmen

In einem Blog-Kommentar bei DoSi schrieb ich:

Jedwedes Verständnis der Schrift ist immer auch vom Lesenden/Interpretierenden abhängig. Du bist immer Teil des Auslegungsprozesses, in ähnlicher Weise wie in der Quantenphysik der Beobachter zum Teil des Beobachtungsprozesses wird und dadurch das Beobachtungsergebnis beeinflusst und durch die Beobachtung selbst verändert wird.
Diese Subjektivität der Wahrnehmung ist nun etwas, was mich weiterhin beschäftigt.

Die Frage ist nun, ob ich nicht nur der Tatsache meiner eigenen Beteiligung am Leseprozess als solcher gewahr werden kann, sondern sogar das
Wie dieser subjektiven Veränderung der Wahrnehmung erkennen und bewußt wahrnehmen kann.

Dazu müsste ich meinen eigenen Wahrnehmungsprozess wahrnehmen. Nun heißt es aber, ein Auge nehme sich nur dann selbst wahr, wenn es krank ist. Ein gesundes Auge wird selbst nicht wahrgenommen.

Ein interessantes Bild, dem ich aber ein anderes gegenüberstellen möchte:

In meiner Gemeinde mache ich auch die Beschallungstechnik, d.h. ich sitze hinter dem Mischpult, welches sich rechts hinten in der Ecke im Saal befindet, und mische den Klang.

Das Problem hierbei ist, dass ich dort leicht einseitig beschallt werde, und durch die Nähe zur Wand sich auch bestimmte klangliche Veränderungen ergeben.

Um für die Zuhörer im Saal einen optimalen Klang zu erzeugen, muss ich daher immer wieder einmal den Mischpult-Platz verlassen und durch den Raum wandern, hören, wie der Klang sich an anderen Stellen im Saal anhört.

Auf diese Weise lerne ich den Unterschied zwischen dem optimalen Saalklang und dem Klang an meiner Mischerposition kennen und weiß schließlich, wie meine Wahrnehmung dort sich von der Wahrnehmung an anderen Plätzen unterscheidet.

Dadurch weiß ich, dass ich am Mischerplatz z.B. die Tiefen ruhig ein wenig weiter aufdrehen kann, als ich es eigentlich richtig empfinde, dass ich insgesamt nicht ganz so laut aufdrehen darf, wie ich eigentlich gerne würde, und das es OK ist, dass ich mehr vom rechten Kanal höre als vom linken.

Um das Bild zu verlassen: Ich frage mich, ob es möglich ist, vor oder während des Lesens und Auslegens eines Textes meine eigene Position und die daraus resultierenden Verzerrungen zu reflektieren, und dadurch die Auslegung selbst feiner zu justieren oder sogar meine Wahrnehmung des Textes von meiner Position zu relativieren.

Dazu ist natürlich folgendes notwendig: Genauso, wie ich als Tontechniker mich aktiv an eine Position begeben muss, und mich ggf. durch Tricks wie Ohren zuhalten auch in die Lage eines weniger gut hörenden Zuhörers versetzen muss, muss der auslegende Leser sich bewußt in die Lage von Zuhörern mit anderer Disposition versetzen. Extremes, aber deutliches Beispiel: Wie mag eine weibliche Zuhörerin empfinden, wenn wir zusammen Paulus' Aufforderung lesen, dass die Frau in der Gemeinde schweige?
Eine solche Haltung des Hineinversetzens in den Anderen nennt die Psychologie "Empathie".

Wenn ein Tontechniker eine Band abmischt, ist es jedoch nicht nur von Bedeutung, dass er den Saalklang im Griff hat und ihn für alle Zuhörer bestmöglich zubereitet. Auch der Klang der Monitore, über den sich die Musiker selber hören, ist von Bedeutung. Und da muss der Techniker auch mal auf die Bühne und sich anhören, wie ein Sänger sich selbst an seinem eigenen Platz hört. Dann wird schnell klar, dass ggf. eine falsche Klangeinstellung der Monitorboxen dafür verantwortlich ist, dass der Sänger versucht, "besser" zu klingen und dabei seine Stimme verstellt, oder er so unsauber singt, weil er sich aufgrund der Umfeldgeräusche einfach nicht selber hört und quasi "blind" versucht, die Melodie auf die Reihe zu bekommen.

Ebenso ist für den Ausleger alter Texte von Bedeutung, dass er lernt, den Text aus der Position des Autors zu lesen. Dass er über die Umstände bescheid weiß, unter denen der Text zustande kam, und zu verstehen versucht, wer der Autor war und in welcher Lage er sich befand und für wen er schrieb.

Leider müssten wir, um dies so erfolgreich zu tun, wie ein Tontechniker, der auf die Bühne steigt, eine Zeitmaschine besitzen. Aber auch gute Sekundärliteratur über die Historie kann ein Augenöffner für die Auslegung von Texten sein, wie ich zur Zeit an Rob Bells "Jesus unplugged" wieder erfahre.

Auch wenn es uns schwer fällt, uns von unserer momentanen Position zu lösen, um einen Text wirklich beurteilen zu können, so ist es schon sehr hilfreich, zu verstehen, dass man dies eigentlich tun müsste. Das einem bewusst wird, dass die Auslegung, die man selber nun vornimmt, durch die eigene Position gefärbt ist und daher auch nicht absolut die richtige für alle Zeiten und Orte sein kann.

Problematisch wird Tontechnik dann, wenn der Tontechniker zu unerfahren oder zu faul ist, seinen Platz zu verlassen und einfach glaubt, er hätte von seinem Mischerplatz aus alles im Griff. Gleiches gilt auch für die Textauslegung. Die Annahme, meine Position sei die einzig mögliche und meine Wahrnehmung die einzig vorhandene führt im Endeffekt zu unbefriedigenden Resultaten und Frust bei den anderen Zuhörern.

Tontechnik ist nun, wie auch Kameratechnik, doch mit dem oben genannten Auge zu vergleichen. Erst wenn man sie selbst nicht wahrnimmt (kein Knistern, kein Bildwackler usw.) kann der Inhalt der Präsentation genossen und erlebt werden. Ebenso ist es bei der Auslegung. Je geschickter die Auslegung vorgenommen wird und je weniger die Tatsache des Auslegens bemerkbar wird, umso mehr tritt der Ausleger als Medium in den Hintergrund und der Text fängt an direkt zum Zuhörer zu sprechen und an ihm zu wirken.

2007-10-15

"Was eigenes ...?"

Interessanterweise wurde ich am Wochenende gefragt, ob ich denn auch was Eigenes schreiben würde, oder ob ich nur anderer Leute Texte kommentieren würde.

Zwei Dinge dazu:
  1. Ja, ich habe vor, auch eigene Sachen zu schreiben, komme im Moment zeitlich nur nicht dazu. Mit RoF und der Jahresaufgabe Gottesdienst habe ich ja schon angefangen.
  2. Tja, wenn ich es recht überlege, zitiere und kommentiere ich auch dort in großem Umfang. Aber wie ist das nun mit dem Kommentieren? Nun, ein "Text", etwas "Eigenes", entsteht nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen, im Gesamtumfang. Tatsache ist, dass es nicht darum geht, ob ich in einem Artikel zu soundsoviel Prozent eigenformulierten Text schreibe oder nicht. Das Wesentliche Bild, die Aussage ergibt sich im Gesamtbild einfach aufgrund der Feststellung, was denn zitiert und kommentiert wird. Das Eigene ist möglicherweise ein Mosaik, ein Puzzle, eine Collage.
Was spricht den Rover an? Mit welchen Gedanken beschäftigt er sich? Warum hat er dies jetzt zitiert? Warum das dort kommentiert? Wozu äußert er sich positiv, wozu negativ?

Aussagen werden auf vielen Kanälen gemacht. Das ist nicht nur im gesprochenen Dialog so (vielen fehlt ja Gestik, Mimik und Tonfall bei geschriebenen Texten).

Auch der geschriebene Text oder die Sammlung von Texten ist sehr vielschichtig, sendet auf mehreren Kanälen, will mit mehr als nur einem Auge gelesen werden.

Darum gilt auch bei "nur" Kommentaren: Wer Augen hat zu lesen, der lese...

(Duisburg) Westdeutscher Gemeinschaftsverband will Gemeinden gründen

Ohne weiteren Kommentar:

Idea, 15.10.2007:
Westdeutscher Gemeinschaftsverband will Gemeinden gründen

D u i s b u r g (idea) – Der Westdeutsche Gemeinschaftsverband will in den kommenden Jahren stärker evangelistisch und diakonisch wirken sowie Gemeinden gründen. Das kündigte der Inspektor des Verbands, Friedemann Hopp (Duisburg), im Gespräch mit idea an.
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Wichtig sei, sich nicht zu isolieren, „sondern auch eine Hand nach außen auszustrecken“. In Bezug auf Mission hob Hopp auch die Rolle der Hauskreise hervor. Diese sollten ihre Mitglieder in den Beziehungen zu Nichtchristen unterstützen und dafür beten. Zudem sollten evangelistisch begabte Menschen nicht zu sehr an gemeindeinterne Aufgaben gebunden werden, damit sie Zeit hätten, Kontakte nach außen aufzubauen und so missionarisch zu wirken.

2007-10-09

Beziehung zu Gott

Viele wichtige Fragen stellt Matthias in seinen aktuellen Blogeinträgen.

Nun die Antwort die ich bis jetzt "gefunden" habe ist alles mit Gott zusammen zu machen. Doch wie soll das gehen? Wie spielt man mit Gott zusammen Computer, schreibt zusammen mit ihm einen Blog, guckt mit ihm gemeinsam fern, macht zusammen die Hausaufgaben oder geht mit ihn zusammen aufs Klo? Heißt das ich muss den ganzen Tag lang ununterbrochen beten? Muss ich gedanklich oder hörbar ununterbrochen quatschen? Wenn das die Lösung ist muss ich schlicht und einfach sagen "Das kann ich nicht" und überhaupt wann soll Gott denn dann reden?
Was mir als allererstes dazu einfällt ist: Herzlichen Glückwunsch!
Ich wünsche wirklich, dass mehr von unseren Jugendlichen anfangen, sich über ihren Glauben ernsthaft Gedanken zu machen und wagen, ihre Gedanken offen zu formulieren.

Und ich wünsche mir genauso, dass mehr alteingesessene Gemeindemitglieder diese Fragen und Gedanken wahrnehmen und den Jugendlichen helfen, Antworten zu finden.
Ja, Antworten zu finden. Nicht, einfach ihre Antworten zu geben, denn das sind zweierlei Dinge!

Die Jugendlichen müssen dazu angeleitet werden, ihre eigenen Kapitel in der großen Geschichte Gottes mit den Menschen zu schreiben, und nicht einfach nur weitere Paragraphen in dem hauptsächlich von uns vorgeschriebenen und vorstrukturieren Kapitel anzufügen.

Denn Letzteres führt entweder zur Ablehnung der gesamten Geschichte oder aber eben zu geistlicher Bulimie , bei der Unverdautes nur immer wieder erbrochen wird. Wesentlich dabei: Das Aufgenommene und Erbrochene erfährt keine strukturelle Veränderung. Es bleibt, wie es war, wird nicht assimiliert, nicht als Nahrung dem Kreislauf zugeführt, kann also auch nicht in Wachstumsprozessen verwertet werden.
Der Psychologie ist das Phänomen übrigens nicht unbekannt. Sie hat dafür den Begriff Introjektion .

Auch ich habe viele Fragen und zu wenig Antworten. Eine Frage dabei ist: Anleitung Antworten zu finden - wie sieht das aus? Wie kann das gehen?
Ich denke, dazu ist eine Menge Selbstreflexion nötig!

Musik in der Gemeinde

Habe dieses optische "Zitat" bei Schrotty gefunden, und finde es einfach köstlich:



(Zur besseren Ansicht einfach mit der rechten Maustaste und "Graphik anzeigen" das Bild anzeigen lassen).

Das Original stammt von ASBO .

2007-09-26

"Pass auf, dass du deinen Glauben nicht verlierst"

Schon der dritte Post heute, aber ich denke, auf diesen Post hier muss ich einfach hinweisen:

"Pass auf, dass du deinen Glauben nicht verlierst"
bei Peregrinato (Peter Aschoff).

Zwei wichtige Zitate aus dem Text:

Traurig ist dann nur die Tatsache, dass der neue Glaube vom “alten” Umfeld nicht mehr als der eigene anerkannt oder gar als Gefahr und Verführung abgewiesen wird. Als wäre jede Form von Zweifel erstens böse und zweitens ansteckend.
Und:
Jemand, der mit diesen Veränderungen seines Gottesbildes ringt und dabei auch selbst das beängstigende Gefühl hat, in Glaubensfragen den Boden unter den Füßen zu verlieren, findet in einem zur Selbstkritik unfähigen und zwanghaft homogenen Umfeld keine Hilfe - im Gegenteil, seine Ängste werden verstärkt und bestätigt, so dass am Ende tatsächlich nur ein Bruch möglich erscheint. Denn zurück zu gehen in eine verlorene Naivität würde bedeuten, die eigene Integrität zu opfern - ein hoher Preis.

Such people do not think

Ein absolut bemerkenswertes Zitat, gefunden als Kommentar zu einem Blog-Post:

Many college graduates—perhaps a majority of them—are not educated.

What is the test?

The test in question is this: Do you read books that you cannot understand easily? Books that require to be read slowly and deliberately? Books that you know are beyond your capacity to understand fully?

If you do not, you are not educated; you do not have the temper and habit of an educated mind; you are not a student.

Do people who fail to meet that test think that they are educated?

No. Such people do not think.

Cassius Jackson Keyser, Mole Philosophy and Other Essays (1927), p. 27


In deutsch:

Viele Hochschulabgänger —vielleicht der Großteil von ihnen— sind nicht gebildet.

Was ist der Test?

Der in Frage kommende Test ist: Liest du Bücher, die du nicht leicht verstehst? Bücher, die langsam und mit Bedacht gelesen werden wollen? Bücher, von denen du weißt, dass sie jenseits deiner Möglichkeiten sind, sie vollständig zu verstehen?

Falls du es nicht tust, bist du nicht gebildet. Du hast nicht das Naturell und die Gewohnheiten eines gebildeten Geistes. Du bist kein Lernender.

Denken Leute, die diesen Test nicht erfüllen, sie seien gebildet?

Nein, solche Leute denken nicht.

Cassius Jackson Keyser, Mole Philosophy and Other Essays (1927), p. 27

Mit-Leiden / Mit-Denken

Mitleid - Wir kennen das Wort. Es bezeichnet die Tatsache, dass man das Leid eines anderen zu einem Teil zu seinem eigenen macht. Es bezeichnet Nähe. Das Teilhaben an der Situation des anderen. Das Mitfühlen des Erlebens des anderen. Sich selbst zurücknehmen und auf den anderen einlassen. Gefühle des anderen zulassen, ihn wahrzunehmen.
Positives Mitleid, das sich selbst nicht im anderen verliert, dient dem anderen. Lindert seinen Schmerz. Tröstet.

Mitdenken - Wir kennen das Wort. Es bezeichnet die Tatsache, dass man gedanklich nachvollzieht, was ein anderer vordenkt. Das Mitverfolgen eines Vortrages. Nicht nur aufnehmen und runterschlucken, sondern verarbeiten, die offenen Punkte erkennen und Fragen zu stellen. Mitdenken heißt auch, vorauszusehen, einen Handlungsablauf nicht nur zu beobachten, sondern daraus Handlungen abzuleiten. In diesem Sinne denkt der Lehrling mit, der seinem Meister ungefragt das richtige Werkzeug anreicht.
Positives Mitdenken, das gedankliche Wege nachzuvollziehen versucht, dient zum Verständnis des Mitdenkenden. Es ist ein Lernprozess dessen, der mitdenkt.


Wo aber ist das Mitdenken, dass zu einem Mitleiden wird?
Wo ist der, der sich auf die Gedanken eines anderen einlassen kann, die Fäden des anderen aufnimmt, Sackgassen entdeckt und dort hinaus führen kann?
Wo ist der, der mitdenkt nicht, um zu lernen, sondern um zu lehren?
Der nicht mit fertigen Gedanken bombardiert, sondern den Argumentationslinien und Fragen folgt und diese mit denkt?
Wo ist das Mitdenken als Dienst am anderen?

Wo ist der, der sich darauf einlassen kann, auch wenn es gefährlich ist?

Nicht logisch, aber theologisch


Nicht logisch, aber psychologisch

Oft gehört. Oft zitiert.

Nicht logisch, aber theologisch

... kommt dann in Unseren KreisenTM oft dazu.

Zu oft gehört. Zu plakativ. Zu sinnfern. Zu finalisierend.
EOD (End Of Dialogue)

(Selber-) Denken nicht erwünscht? Oder Spannung zu hoch?

2007-09-21

The Other Blog

Weil's so nett ist, habe ich noch ein weiteres Blog angefangen, in dem ich alte Webseiteninhalte schonmal eingebaut habe.
Rover's Camp zeigt die anderen Seiten vom MentalRover (falls sie jemanden interessieren).

2007-09-19

Was mich traurig stimmt ...

... ist, wenn beim Lesen eines Artikels die Worte

Abgrenzung, Mauerbau, Starre, Kontra-Haltung, geschlossene Tür, Negation als Prinzip, Konservierung

in meinem Geist auftauchen. Und das mit "traurig" meine ich nicht polemisch sondern wirklich ernst!

Ein solcher Artikel ist bei Idea unter dem Titel "Die Bibel ist kein Sammelsurium von Mythen" zu finden, in der über jene Bekenntnisbewegung geschrieben wird, die die Negation und Ablehnung als Grundprinzip bereits im Namen führt: "Kein anderes Evangelium" !

Ein Name, der die abwehrend erhobene Hand, die symbolische Mauer, quasi als bildliches Insignium im Geist aufscheinen lässt.

Sollte ich dem Namen ein Gesicht zeichnen, so wäre dies das Gesicht eines alten Mannes mit nach unten gezogenen Mundwinkel und ausgeprägten Nasenfalten, in dem sich die lebenslange Skepsis, das ständige abwertende Naserümpfen eingeprägt haben.

Grundsätzliche Abwehr alles Neuen und starre Konservierung: Nur so kann ich die Aufforderung verstehen, ausgerechnet die Lutherbibel für evangelikale Jugendkreise zu empfehlen.

Pfarrer Jakob Tscharntke und die genannte Bewegung konterkarieren aber damit genau den Titel dieser Bibel:

Luther steht für Mittelalter. Für ein Deutsch, dass unverständlich, eigenartig geformt und überholt ist.

Luther steht aber auch für Re-Formation, Neu-Bildung, Aktualisierung und für Inkulturation des Wortes. Für "Ecclesia semper reformanda" - die sich ständig reformierende Kirche.

Luther selbst würde gewollt haben, dass man seine Übersetzung heute in einem Jugendkontext nicht mehr verwendet.
Es muss ja nicht gleich die VolXbibel oder die "Bibel in gerechter Sprache" sein, zeitgemäße Übersetzungen gibt es genug. Luther hätte gewollt, dass die verwendete Bibel nicht mehr seinen Namen trägt, sondern den Namen derer, die sein Werk in ihrer Zeit neu durchführen.

Was ich mir wünsche:
Das Bild des älteren Herrn, in dessen Gesicht sich das leichte Zwinkern in kleinen Falten rund um die Augen eingegraben hat, dessen Mundwinkel ständig zu lächeln scheinen.
Die Bewegung der Hand, die auf den anderen zugeht und ihn begrüßt.

2007-09-18

Willow Creek im Wandel ...

Auch bei Willow-Creek ist manches im Wandel, scheint mir.

Nachdem ich ja schon in einem Post Gene Appel aus einem Willow-News Newsletter zitiert hatte, entdecke ich nun die Gedanken, die sich Nancy Beach über The Future Of Worship macht, angeregt durch einen Artikel von Sally Morgenthaler, in der diese ihre eigenen Worship-Paradigmen reflektiert, sowie einen Besuch von ihr auf einem Willow-Creek Leiterschafts-Treffen .

Hier ein paar übersetzte Zitate von Nancy:

Sally wies darauf hin, dass sie glaubt, die Lobpreis Subkultur sei in starkem Rückgang, und dass wir den Mumm haben müssen, nochmal anzufangen und zusammen neu zu entdecken, was unsere Zusammenkünfte zukünftig sein könnten.
Ich teile ihre Sorgen, dass vieles aus der christlichen Lobpreismusik immer gleich klingt, und sich einfach von dem unterscheidet, wo sich säkulare Musik hinbewegt hat.
Ich glaube ebenso, dass unsere Zusammenkünfte viel zu vorhersagbar geworden sind, indem sie fast ausschließlich auf Musik und Lehre beruhen, während sie viele andere Kunstformen und Kommunikationswerkzeuge aufgegeben haben.
Es existiert eine Lobpreis-Subkultur, und in den meisten unserer Kirchen können wir keine großen Erfolge verzeichnen im Erreichen Außenstehender durch unsere wöchentlichen Lobpreis-Zusammenkünfte.
Was bedeutet das alles?
[...]


Ich habe sicherlich nicht die Antworten. Aber ich begrüße die Fragen, so unbequem sie sein mögen, und ermutige meine Mitkünstler und Kirchenlehrer diesen Fragen frontal gegenüberzutreten, ohne Angst und Verteidigungshaltung.
Wir wollen alle dasselbe, denke ich - Erfahrungen schaffen, die
bewegen und letztlich die Menschen auf ihren spirituellen Reisen transformieren, durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Wenn wir aufmerksam zuhören, der Kultur, unseren Gemeindeversammlungen und unserem Schöpfer, werden wir anfangen unseren Weg aus den Wolken zu finden und zu erkennen, wo es als nächstes hingeht.
Lasst uns den Dialog und die Fragen weiterführen ...


2007-09-17

Meisners kleines Fettnäpfchen....

In etlichen Blogs, unter anderem hier bei Onkel Toby und hier bei Peregrinato wird es gerade diskutiert: Meisners Fettnäpfchen.

Meisner O-Ton:
„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.“

Irgendwie hat er doch recht, wenn man es mal genau liest.

Derjenige, der diese Worte sagt ist doch genau dadurch, dass er sie sagt, das beste Beispiel dafür, was er selbst aussagt.
a) Ist er doch Vertreter einer Kirchenform, die sich im Kult immer mehr von der (Gesellschafts-)Kultur entfremdet und dadurch im Ritualismus erstarrt.
b) Gibt es keine Nicht-Kultur, wo immer sich eine Form von Gesellschaft bildet. Somit ist er selbst Ausdruck einer (Kirchen-)Gesellschaft mit einer (Kirchen-)Kultur. Und die "entartet" tatsächlich, da sie sich von der Gesellschaftskultur entfremdet und dann solche Vokabeln benutzt und sich damit solche Mißgriffe erlaubt.


Mal ganz davon ab, legt man das Wort einmal mal nicht auf die Goldwaage: Dass eine Kultur "entartet", wenn sie den Bezug zu einer Form der Spiritualität (in seinem ritualkultischen Sprachgebrauch: "Gottesverehrung") verliert, ist durchaus eine bedenkenswerte These: Wohin führt uns eine Kultur, die jeglichen "Kultes" beraubt spirituelle und ethische Expressionen verneint und sich jeglichen triebhaften und/oder progressiven Exzesses hingibt?
Wird dort "Kunst" nicht immer mehr zu "Kommerz"? Versandet Ausdrucksstarkes nicht in Belanglosem? Wird Künstlerisches nicht zu purem mechanischem Handwerk?

Und was ich mich beim Lesen des Zitates ebenso frage:

Wo steckt in dem Zitat eigentlich die "Kunst"?

Hätte er "Kultur" mit "Kunst" gleichgesetzt, würde wohl gemäß seiner Aussage die Kunst entarten.


Er redet aber von entarteter "Kultur"(!), und diese ist mehr als "Kunst", da Letztere nur eine Ausdrucksform von Ersterer ist. Somit kann die der Spiritualität beraubte Kultur als eine "kunstlose", materialistisch-"künstliche" Kultur verstanden werden, die der Menschlichkeit beraubt, dem/den Menschen ent-artet.

Meisner behauptet:
"Ich wollte nur ganz schlicht damit sagen, wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden. Das war die schlichte Aussage dieser Passage",
Seine "Richtigstellung" als Ausrede ist nun mehr als unglücklich: Wie will man denn Kunst und Kultur auseinanderbringen? Und: Wo ist denn da jetzt der Kultus, die "Gottesverehrung" in seiner neuen Dichotomie zu finden?

Kunst, ganz banal verstanden, steht niemals auf einer der beiden Seiten, sondern ist inhärent in beidem.

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich nämlich auch im erstarrten religiösen Kult eine Form von Kunst: Gregorianischer Kirchengesang, Eucharistie-Tanz am Altar, Kreuz-Schlag-Choreographie der Kirchbesucher, moderne Kirchen-Architektur.

Eine verzweckte, ebenfalls erstarrte, rein produktive Darstellung der (Kirchen-)Kultur womöglich?

Peregrinato fragt übrigens dazu:
Es klagen ja auch viele christliche Künstler über die stereotype Erwartung, dass Kunst immer predigen müsse. Muss sie das - und was genau?

2007-09-10

"Extreme Worshipper" - Stuntfilm als Missions-Projekt !?

Schon interessant, was man da bei glaube24.de findet...

Ein Jugendkreis will mit einem Stuntfilm in Anlehnung an Jack-Ass in die Kinos, das Ganze als evangelistisches Projekt, denn es heißt:

Mal „was ganz anderes“ macht ein Jugendkreis aus Süddeutschland zurzeit. Im zeitlichen Rahmen von einem Jahr wollen die jungen Leute einen Film drehen, der zeigen soll, dass Christsein alles andere als langweilig ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein interessanter und spektakulärer Film wird und finde es mutig, was dieser Jugendkreis da auf die Beine stellt. Inwiefern ein Stuntfilmt aber zeigt, dass "Christsein" nicht langweilig ist, erschließt sich mir nicht.

Letztlich zeigt der Film doch eher nur, dass dieser Jugendkreis ein wagemutiger Sportverein ist und offensichtlich ein cooles Freizeitangebot hat. Denn das Abseilen von einem Turm oder der Sprung von der Brücke gehören sicher nicht zum spezifisch "christlichen" Abenteuer.
Dazu gehören für mich wohl eher die Abenteuer, wie sie die Fahrer der FeG-Auslandshilfe und andere erleben, die sich für den Glauben einsetzen, wohlgemerkt, ohne sie zu suchen: Zwei Tage Aufenthalt an der Grenze, schwerer LKW-Unfall, Beschlagnahmung, Verhaftung....

Inwiefern wird an dem Film deutlich, wie es mit dem Christsein im Alltagsleben der Jugendlichen aussieht?
Inwiefern zeigt mir der Film als Zuschauer, wie Christsein mein eigenes Alltagsleben spannender macht?

Ist das überhaupt das Ziel des Christseins?
„Wenn die Zuschauer sich bei dem Film amüsieren und vielleicht darüber staunen was Christen so machen, werden sie auch neugierig was sonst noch so hinter diesem 'biederen' und 'langweiligen' Christsein steckt“, so die Theorie der Filmemacher.
Leider bezweifle ich, dass dieses Konzept aufgeht. Hat es doch für mich den eigenartigen Touch von "Guck mal, wir Christen können auch ...", wie man es an so vielen Stellen vorfindet, so als müsste es zu allem "The Christian Answer To..." geben und somit alle Themen irgendwie unter einem christlichen Label neu verzweckt werden:
Die christliche Suchmaschine, die christliche Antwort auf YouTube, christliche Nachahmungen von mainstream Musikern, die christliche Bücherstube, die christliche Sporthalle, die christliche Fußballer-CD ...

Werden die Zuschauer wirklich "staunen, was Christen so machen"?
Oder lediglich staunen, was die Gruppe um Christoph Hahn so macht, völlig unerheblich, ob es nun Christen sind oder nicht?

Wird es in unseren Jugendgruppen eine Veränderung machen, nachdem der Film gelaufen ist? Müssen wir dann später ebenfalls Extreme Sports anbieten, um nicht doch als langweilig dazustehen?

Vielleicht schafft es "Extreme Worshippers" ja tatsächlich, die Gradwanderung zu machen und Botschaft und Attraktivität zu verknüpfen. Leider bin ich da sehr skeptisch, dass außer einem coolen Film um eine freakige Gruppe mehr vermittelt werden kann.
Schwerwiegende Verletzungen gab es bei den Dreharbeiten bisher zum Glück noch nicht. Lediglich einmal habe sich jemand bei einer Szene den kleinen Finger gebrochen. „Aber er hat es sehr sportlich genommen“, so der Film-Verantwortliche. Gott habe die Gruppe bisher vor schlimmeren Verletzungen bewahrt. Bei Stuntfilmen passiere schnell mal etwas, doch der Hechinger ist zuversichtlich, mit Gottes Beistand auch die restlichen Dreharbeiten gut in den Kasten zu bekommen.
Hier wird viel von Gottes Beteiligung am Film geredet, aber wird man wirklich einen Unterschied merken, ob "Gottes Beistand" den Film in den Kasten bringt, oder einfach Begabung und Geschick, wie in den anderen, gleichartigen, weltlichen Projekten auch?

2007-09-05

Priorität der "Schrift" - etliche Fragen tun sich auf - Verwirrung

In einem Post zitierte Stefan Piechottka das Agile Manifesto, welches in meiner Sidebar zu finden ist.

Christian B. kommentierte dazu:
5. Die Bibel ist Gottes Wort und alleiniger Maßstab im Sinne von 1.-4. Wir folgen nicht menschlicher Weisheit, sondern prüfen alles, ob es der Schrift entspricht. Wir wollen am Tag Christi lieber als treu befunden werden denn Menschen gefallen. Denn es steht geschrieben: "Diese aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf, indem sie täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich also verhielte." (Apg. 17, 11)

Die Beröer haben nicht einmal Paulus unbesehen geglaubt. Ihr Maßstab war allein die Schrift. Ich hoffe, dass es auch bei uns so ist. Denn McManus, Bell, McLaren und andere lehren zwar neu, aber anders und Anderes. Ich habe schlaflose Nächte bei dem Gedanken, dass wir das nicht erkennen. Sine ira et studio, audiatur et altera pars.

In einem weiteren Kommentar wies ich darauf hin, dass das höchste Gebot in Matthäus 22 das Gebot der Gottesliebe und der Nächstenliebe ist.

Es ist dort jedoch nicht ein Gebot zur "Schriftliebe" erwähnt.

Das ist nun auch etwas schwierig. Schliesslich zitiere ich hier ja gerade die Schrift, indem ich Matthäus 22 angebe.

Dies veranlasst mich tatsächlich zu der Frage, wie sich die Gebote -gerade auch diese beiden-, die in der Schrift zu finden sind, denn zur Schrift selbst verhalten.

Steht die Schrift über den Geboten, weil sie ja diese enthält und dem Leser vermittelt? Oder stehen die Gebote über der Schrift, weil sie auch regeln, wie mit Letzterer zu verfahren ist?
(Kann man es so sehen, dass die Schrift über die Gebote redet, die Gebote aber über mehr als nur die Schrift ?)

Wie referenziert die Schrift sich eigentlich selbst? Das würde ich gerne einmal untersuchen.

Werden wir der Schrift und den darin befindlichen Geboten (ganz zu schweigen von Gott selbst) gerecht, wenn wir Sola Scriptura in dieser Form zu unserer Glaubens-Maxime machen?

Oder stehen wir dadurch eher in der Gefahr, Gott selbst durch "sein Wort" zu ersetzen, so daß die Schrift als solche zu einem Götzen wird?

Wie verhält es sich mit dem Satz: "Die Beröer haben nicht einmal Paulus unbesehen geglaubt. Ihr Maßstab war allein die Schrift."
Soll ich ebenso "nicht einmal Paulus unbesehen glauben"?
Aber für uns heute ist auch Paulus die Schrift!

Dann wäre das ein Hinweis darauf, der Schrift nicht unbesehen zu glauben?

Wenn aber der Maßstab allein die Schrift ist, und ich der Schrift nicht unbesehen glauben soll, dann muss ich die Schrift durch sich selbst authorisieren.

Welche Teile der Schrift aber sind nun zu prüfen, und welche werden zur Authorisierung herangezogen?
Und wie steht es mit der Prüfung der zur Authorisierung herangezogenen Teile?

Und für die Beröer wie auch für mich tritt dasselbe Problem auf:

Die Schrift ist nicht völlig unabhängig und autonom.

Der Vorgang des Prüfens findet irgendwo durch mich, den Leser, in einem auslegenden, interpretierenden Prozess statt. Somit ist das Ergebnis des Prüfvorgangs auch abhängig von mir als Leser.
Wie kann das in gutem Sinne funktionieren?

Doch nur dadurch, dass Gott selbst in diesen Vorgang durch seinen Geist eingreift.

Dann ist das Ergebnis also davon abhängig, dass Gott durch seinen Geist in mir, dem Leser, wirkt, damit das Prüfen der Schrift anhand der Schrift in Gottes Sinne verläuft.

Damit aber steht Gott und sein Geist über der Schrift selbst, die ja nun sowohl Prüfwerkzeug als auch Prüfobjekt ist.
Dadurch erhält die Schrift aber einen Platz, der nicht mehr durch "Sola Scriptura" vollumfänglich beschrieben wird.

Fehlt vielleicht ein "Solus Spiritus Sanctus" in der berühmten Aufzählung?

(Sind es nicht vielleicht gar zu viele "Soli" ?)

Unsere winderprobten Podeste

Tino schreibt in seinem Post "Postmoderne? Aber wir stehen doch am Anfang" auf einfache, kurze und poetische Weise, was das Lebensgefühl des jungen (wie weit reicht "jung"?) Menschen in Gemeinde auch meiner Ansicht nach ausmacht.
"Aber er baut weiter - ob mit oder ohne eure Hilfe."
Das ist meine Hoffnung.

Hat denn aber außer mir keiner Angst, dass ihm das "Berühren der Ewigkeit" dabei verloren gehen könnte?

Gruß
Ein Exilant

2007-09-03

Kirchendistanzierte Menschen? - Menschendistanzierte Kirchen

Folgenden Text auf der GoSpecial-Seite der CG-Mülheim fand ich ja recht interessant:

Menschendistanzierte …

In den letzten Jahren sind Menschen, die keine Kirche mehr besuchen, oft als „kirchendistanziert“ beschrieben worden. Diese Bezeichnung verlegt das Distanzproblem zu den Menschen. Die Wahrheit ist, dass nicht die Menschen „kirchendistanziert“, sondern eher die Kirchen welcher Couleur auch immer häufig „menschendistanziert“ sind.

Der Verdacht drängt sich auf, dass die kirchliche Sprache den Vorwurf durchschimmern lässt: Warum haben sie uns verlassen (Austritte) ? oder: warum nehmen sie nicht Anspruch, was wir anbieten (Nichtteilnahme). Menschen spüren, ob sie einem Vorwurf oder einer suchenden Liebe begegnen.

Ein Problem unserer herkömmlichen Gottesdienste: Lange bevor die Menschen eine Chance bekommen, dem Herausforderung des Evangeliums zu begegnen, scheitern sie am kulturellen Graben und werden so um das Evangelium betrogen.


Mir scheint es eine interessante und erhellende Variante zu sein, das Problem einmal sprachlich von dieser Seite aus zu betrachten.
Der kulturelle Graben, ja das ist es. Aber lässt dieser sich dadurch überbrücken, dass man alle paar Wochen oder gar Monate einmal die Zugbrücke herunterlässt?
Gottesdienste für suchende Menschen – ob sie "go special" oder wie auch immer heißen- staunen über den Vertrauensvorschuss, den Suchende durch ihr Kommen signalisieren und versuchen dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen

Hier habe ich aber ein Problem:
'Gottesdienste für suchende Menschen' - diese suchenden Menschen sollen uns möglichst immer genau dann "finden", wenn ein solcher Gottesdienst durchgeführt wird.


"Hey, du willst unsere Gemeinde mal kennenlernen, mal sehen, wie das mit dem Glauben und Christsein so aussieht? Dann komm doch in drei Wochen in den Sucher-Gottesdienst!"

"... Ach ... da kannst du nicht? Die Woche drauf? ... Ähm ... lieber nicht ... da läuft grad nix besonderes ..."
Und:
Lässt der Graben sich nur dadurch überbrücken, dass die "Sucher" über die Brücke in die Kirche kommen? Ist das die vollständige und richtige Antwort auf die "Menschendistanziertheit" der Kirche?
Jesus hat seine Jünger nicht dadurch berufen, dass er eine ansprechende Anzeige geschaltet hat, und gewartet hat, dass Interessenten kommen. Er hat sie an ihrem Ort aufgesucht.
Wie schaffen wir das?


Weiter heißt es auf der Seite:

Solche Gottesdienste wollen eine bewusste Elementarisierung der biblischen Botschaft, um den Zugang zu Jesus zu öffnen.

Sie sehen zeitgenössische Musik als Schatz der jeweiligen Generation. Sie wirkt als vertrauensfördernde Maßnahme, lässt Menschen in ihrer gewohnten Musik eine ungewohnte Liebeserklärung hören.

Gottesdienste für suchende Menschen gebrauchen darstellende Künste (Theater, performance, Medien) als Bühne der Lebenserfahrungen der Gäste und zugleich als Türöffner des Evangeliums. Sie befinden sich damit in guter Gesellschaft zu Gleichnissen und Bildersprache Jesu.

Gottesdienste für suchende Menschen sind dann fruchtbar, wo sie im Gemeindeganzen verankert und gewollt sind. Bloße Kopien werden an der Veränderungsunwillig- und -fähigkeit der Gemeinde scheitern.

(Hervorhebung von mir)
In den Generationen herrscht leider ein sehr zwiespältiges Bild darüber, was denn zeitgenössische Musik sei. Wenn ich mit 40 Jahren endlich die Songs aus meiner Jugendzeit in den traditionellen Gottesdienst gerettet habe, ist dies z.B. gar nicht zeitgenössisch.
Zeit-genössisch ist nunmal, was meine Zeit-Genossen hören und ich auch zur Zeit höre.
Aber wer schafft es schon, die Musik, die er privat hört, stilistisch auch einmal in den Gottesdienst zu bringen? (Ich höre Rock, Funk und Jazz ... das ist schwierig! Wieso wird diese Musik im Gottesdienst mit Teenagern in Verbindung gebracht? Ich höre sie seit 25 Jahren(!) und meine Kinder können mit dem meisten davon nicht viel anfangen.
Und Rap oder gar eine Einstimmungsphase mit Technosounds wäre undenkbar. Höchstens einmalig als "mal eine ganz andere Idee" durchgehend. Aber etabliert?).

Und das Wort über die "jeweilige" Generation kann schon einiges an Zündstoff beinhalten.

Die CG-Mülheim scheint aber ein Bewußtsein für diese Spannung zu haben und auch einer Jugendkirche offen gegenüberzustehen.

2007-08-27

Toby fragt: "Neigen wir zur geistlichen Onanie?"

Toby schreibt:
Manchmal bin ich von mir und meinem Christsein aber auch von Gemeinden, Kirchen und Mitgeschwistern enttäuscht und frustriert. Es scheint nur um das eine zu gehen: Frömmer und besser zu werden und dabei auch noch glücklich und zufrieden zu sein.
Ein lesenswerter Artikel, mit ebenso lesenswerten Kommentaren.

Besonders den Kommentar von Peter zur "pornographischen" Predigt fand ich genial.

Er redet darin von einer übertrieben auf Ideale reduzierten Predigt, die fern von der Realität der Zuhörer ist.
Er schließt:
Der Effekt ist dann auch derselbe: Die tatsächliche Erfahrung (mit dem eigenen Partner beziehungsweise mit den jeweiligen Mitchristen) hält dem Vergleich nicht stand und wird als Enttäuschung wahrgenommen.

2007-08-24

JA-GoDi: Gottesdienst - neutestamentlich (Teil 2)

Elemente des Gottesdienstes

Gebet

In diesem Abschnitt wird anhand der Angabe vieler Verse gezeigt, dass sowohl das Vater-Unser als auch freie und vorformulierte Gebete ständiger Bestandteil der Gottesdienste waren.

Linder stellt anschließend die Frage, welche Rolle das Vater-Unser in unseren Gottesdiensten spielt, und in welchem Verhältnis freie und vorformulierte Gebete zueinander stehen.

Bekenntnis

Linder schließt aus Bibelversen des Paulus, dass die ersten Christen in ihren Gottesdiensten Bekenntnisse zitierten "um sich gegenseitig zu vergewissern, was und woran sie glaubten".

Dazu stellt er die Frage, warum in unseren Gottesdiensten auf das Sprechen eines Glaubensbekenntnisses so gut wie verzichtet wird.

Die Frage scheint durchaus berechtigt, wenn man bedenkt, dass wir zur Zeit in einer Gesellschaft leben, die sich nicht nur von Kirche und Christentum abgewandt hat, sondern deren Inhalte auch gar nicht mehr kennt.

Ein Glaubensbekenntnis -insbesondere eines, welches die Gemeinde als Ganzes sprechen und eben auch inhaltlich nachvollziehen soll- hat aber in der heutigen Zeit der pluralisierenden, tolerierenden Ansichten auch einiges an Brisanz.
Bevor daher auch gerade in Betrachtung auf Jugend ein Glaubensbekenntnis im Gottesdienst gesprochen werden kann, ist dieses erst einmal als gemeinsames Bekenntnis überhaupt zu erarbeiten. Was heißt es im Zeitalter von Aufklärung und Nach-Aufklärung zum Beispiel, von einem "Schöpfer des Himmels und der Erden" zu reden? Ist dies nicht Ausdruck eines längst überholten, hinter uns gelassenen Weltbildes?

Haben wir nicht viele traditionelle christliche Bilder und Vorstellungen der Wirklichkeit eigentlich schon durch modernere ersetzt?

Und erfassen wir und verstehen wir wirklich noch die Aussagen in traditionellen Formulierungen? Was heißt es eigentlich wirklich, dass Jesus "zur Rechten Gottes" sitzt?

Wie also muss ein Glaubensbekenntnis formuliert sein, dass auf das zeitgemäße Wissen um das Wesen des Universums Bezug nimmt und die aus der Sicht des Glaubens wahrgenommene Wirklichkeit nicht gegen die vom Verstand erfaßte Wirklichkeit ausspielt?

Schriftlesung und Predigt

In diesem Abschnitt hebt Linder anhand von Bibelstellen hervor, dass generell die lehrhafte bzw. prophetische Predigt "einen hohen Stellenwert hat und dem Mittelpunkt des Gottesdienstes bildet". Hier fällt auf, dass diese Erläuterung bereits eine Auslegung beinhaltet, da Linder in diesem Zitat in der Gegenwartsform schreibt, wo er vorher eine Vergangenheitsbeschreibung machte.

Interessant ist, dass er in seinem Analysetext fast ausschließlich die Auslegung der gelesenen Texte hervorhebt, im Anschluß die Frage stellt, was es bedeutet, dass heute immer mehr Themenpredigten gehalten werden im Gegensatz zu Textauslegungen, dann aber im Zusatz unter 'Idee' empfiehlt, auf eine Textlesung eine Zeit der Stille folgen zu lassen, damit "Gott durch sein Wort redet (auch ohne Auslegung)".

Das eigenständige Reden des Bibeltextes, ohne viel Worte drumherum, das begegnende Wirken des Wortes, ggf. nicht nur vorgelesen sondern künstlerisch präsentiert durch die Darstellungsweise, ist ein sehr bedenkenswerter Punkt für zeitgenössische Gottesdienste, der in diesem Abschnitt leider sehr im Hintergrund blieb.

Abendmahl

Im letzten Absatz des zweiten Teils führt Linder kurz aus, dass das Abendmahl bei den ersten Christen ein weitaus stärker betontes und wiederkehrendes Element des Gottesdienstes war, und fragt sowohl nach der Bedeutung für uns heute als auch danach, ob es "sinnvoll [ist], es (nur?) einmal im Monat zu feiern".

Schluss

Das Schlusswort Linders besteht im Zitat von G. Carey:
"Der Gottesdienst ist unser Schaufenster für die Welt. Wenn unser Gottesdienst so attraktiv wie inhaltsreich, so fröhlich wie tiefgründig und so wirklichkeitsbezogen wie schriftgemäß ist, wird Gott ihn dazu benutzen, viele Menschen zu sich zu ziehen".

Weise Worte zum Schluss, denen wohl fast jeder zustimmen wird.

Aber mir stellt sich die Frage: Was fange ich damit an?
Schließlich wird keiner der skeletösen Begriffe konkret mit Fleisch versehen. Fängt doch das Problem in Diskussionen um Jugend und Gottesdienst meist schon bei der Frage der Attraktivität an, die wahrscheinlich auch Einfluß auf die ausgedrückte Fröhlichkeit (oder der Fröhlichkeit des Ausdrucks?) haben wird. Und gerade der Wirklichkeitsbezug ist ein umfassend debattierbares Thema in einer pluralistischen Gesellschaft, deren Mitglieder in sehr unterschiedlichen Wirklichkeiten leben.

Die eigentliche Frage also ergibt sich erst: Was bedeuten denn diese genannten Attribute überhaupt für uns? Und wie können und sollen wir diese gestalten und umsetzen?

2007-08-23

JA-GoDi: Gottesdienst - neutestamentlich (Teil 1)

Im ersten Artikel schreibt Lars Linder unter dem Titel "Gottesdienst wurde auch im Neuen Testament gefeiert" über die Art und Weise, wie unsere sonntägliche Versammlung vom Neuen Testament her verstanden werden soll.

Direkt sein erster Satz ist dabei eine sehr interessante Einleitung:
"Wenn wir die neutestamentlichen Bücher lesen, zeigt es sich, dass es nicht eine Form von Gottesdienst gibt, sondern dass die ersten Christen in den verschiedenen Gemeinden unterschiedliche Schwerpunkte setzten." (Unterstreichung im Original)

Dieser Satz macht deutlich, dass es zwar Verbindendes zwischen den Gemeinden sowie ihrem jeweiligen Gottesdienst gibt, aber eben auch Unterscheidendes unter den Gemeinden, welches in der jeweiligen Gottesdienstform seinen Ausdruck findet.

Das Verbindende und Einheit Stiftende soll in dem Artikel herausgearbeitet werden.

Der Artikel teilt sich in zwei Bereiche: Zunächst wird Grundlegendes zum Gottesdienst besprochen, danach auf die Elemente des Gottesdienstes eingegangen. Jeder darunter eingeordnete Abschnitt erläutert zunächst die Aussage der Überschrift und stellt dann eine Anfrage oder eine Idee zum Weiterdenken vor.

Grundlegendes

Gottesdienst wird im Namen Jesu gefeiert

"Jesus ist sozusagen der 'Ausrichter dieser Veranstaltung'". Unter diesem Motto erläutert der erste Abschnitt, was die Einleitungsworte in den Gottesdiensten, die diese in einem besonderen "Namen" beginnen, eigentlich bedeuten, und dass sie mehr sind als eine Floskel. Gott lädt uns ein zu seinem Fest.

Gott ist gegenwärtig

Kurz und knapp wird hier zunächst dargestellt, dass Gott im Gottesdienst da ist. Dabei ist, mitten unter uns.

In der Anfrage übt Linder dann Kritik an Aussagen wie: "Das Musikteam wird uns jetzt in die Gegenwart Gottes führen".
Seiner kritischen Meinung nach klingt dies so, als sollte Gott herbeigesungen oder herbeigerufen werden.
Eine andere Sichtweise, nämlich dass das "in die Gegenwart Gottes führen" vielleicht eher damit zu tun hat, dass wir Menschen, obwohl im Gottesdienst sitzend, einfach nicht 'da' sind, und erst in das Bewußtsein der Anwesenheit Gottes geführt werden müssen, sozusagen 'ankommen' müssen, stellt er leider nicht dar.

Linder beschreibt, dass wir zur Gemeinschaft zwischen Gott und uns selbst nichts beitragen können, und folgert: "damit ist alle religiöse und kultische Leistung hinfällig".
Wobei er Kultus beschreibt als "das Unternehmen des Menschen, sich mit irgendwelchen Verrichtungen, Gebärden oder Dingen in einen Sonderbereich zu begeben, in dem er Gott näher zu sein glaubt und in dem er Gottes Wohlgefallen besitzt oder erwirbt".

Diese Aussage ist sehr empfindlich. Denn das "in einen Sonderbereich begeben" scheint mir eine sehr spezielle Auslegung des Begriffes 'Kult', der eigentlich viel allgemeiner gefasst jegliche rituelle religiöse Handlung beschreibt, z.B. auch unsere Liturgie und Abendmahls- und Taufzeremonien.

So verwirrt es mich als Leser auch etwas, wenn er direkt im Anschluß an diese Aussagen unter dem Punkt Idee empfiehlt, symbolisch eine bzw. drei Kerzen auf den Abendmahlstisch zu stellen, weil diese helfen können, uns die versprochene Gegenwart Gottes vor Augen zu führen.

Kein "Kult" ?


Gottesdienst heißt zu allererst: Gott dient uns

Hier spricht Linder einen wesentlichen Punkt an. "Im Gottesdienst begegnet Gott uns Menschen". Dies ist der wesentliche erste Ausgangspunkt, und erst als Folge daraus ergibt sich: "Und weil Gott uns dient, können wir ihm als Antwort im Alltag dienen".

Hier führt Linder kurz über das Wort "Gottesdienst" als Versammlungsbezeichnung hinaus zum Begriff "Gottesdienst" als christliche Alltagshaltung.

Seine Anfrage ist daher über die Versammlungsthematik hinaus sehr bedenkenswert:
"Wie sind bei uns 'Sonntagsgottesdienst' und 'Gottesdienst im Alltag' verzahnt?"



Gottesdienst wird gemeinsam gefeiert, über alle menschlichen Grenzen hinweg

Linder zeigt hier auf, dass auch die frühen Gemeinden schon das Problem hatten, Christen unterschiedlicher Kulturprägung, Sozialisation und Alter vereinen zu sollen, und führt aus:
"Und die Antwort war nicht, dass zwei verschiedene Gottesdienste eingerichtet wurden". (Unterstreichung im Original)

Die Gottesdienste der ersten Gemeinden waren also auf Einheit der Christen ausgerichtet. Dies mag uns anleiten und eine Richtschnur sein. Andererseits bleibt die Frage, inwieweit dies aus der Zeit der ersten Christen tatsächlich in unsere heutige Kultur transportierbar ist, oder ob Dinge nicht über die Jahrhunderte auch einmal neu durchdacht und verstanden werden müssen und können.

Seine Anfrage lautet:
"Was heißt das für uns heute, wo wir darauf getrimmt werden, für jede Zielgruppe einen Extra-Gottesdienst anzubieten? Wie kann ein Gottesdienst aussehen, wo Alte und Junge, Reiche und Arme, Deutsche und ausländische Mitbürger, Christen und Nichtchristen gemeinsam feiern und gleichermaßen angesprochen werden?"

Linders intensive Betonung des einen Gottesdienstes, seine -in meinen Augen polemische- Ablehnung von Zielgruppen-Gottesdiensten, ist ein wenig verwunderlich in einem Heft, in dem es entsprechend dem Vorwort eben um Jugend-Gottesdienste geht.

Noch eigenartiger klingen diese Worte, wenn ich auf der Homepage der Gemeinde Essen Mitte, in der er seit 2002 Pastor ist, zum Teen-Kreis lese:
"Parallel zum Gemeindegottesdienst am Sonntag um 10.00 Uhr feiert der Teeniekreis einen 'alternativen' Gottesdienst mit 12- bis ca. 17-jährigen Jugendlichen."

Schließlich frage ich mich, ob denn die Dichotomien der Anfrage stimmen. Geht es um "Alt und Jung"? Ist nicht allein die Pluralität der Gruppe "Jung" schon ein Problem?
Macht die kurze und knappe Gegenüberstellung der Dichotomien, die Verknüpfung mit dem Wort 'und' wirklich deutlich, wie groß die Spannung dieser Frage eigentlich ist?


Die ersten Christen besuchten regelmäßig den Gottesdienst

Nach einer ersten Euphorie fand sich ein wöchentlicher Gottesdienstrhythmus ein, und es wurde "gute Gewohnheit" für die Christen, hier auch beständig zu sein.

Hier gibt es keine Anfrage und keine Ideen. Meine Anfrage wäre zum Beispiel, einmal bewußt wahrzunehmen, was diese Forderung in der heutigen Gesellschaft bedeutet, die immer weniger auf die Wahrung des Sonntags rücksicht nimmt. Immer mehr Berufsgruppen oder auch z.B. Fußballvereine stellen die Möglichkeit zur Beständigkeit in Frage.

Auch ist 'Beständigkeit' überhaupt ein großes Problem unserer Kultur, die speziell der jüngeren Generation schon früh vermittelt hat, dass es Beständigkeit nicht gibt, alles im Fluß und Wandel ist, und nur der überlebt, der flexibel und ständig in Bewegung bleibt. Brüchige Familienstrukturen, schulisches Kurssystem anstatt Klassenverbund, große Mobilität im Job, häufig wechselnde Partnerschaften, flexible Arbeitszeiten...

Hier wäre es wichtig, Beständigkeit im Sinne tragfähiger Beziehungen nach außen zu vermitteln, anstatt Beständigkeit als Forderung an den Gottesdienstbesucher zu fordern.


Der Gottesdienst wird von verschiedenen Menschen in einer guten Ordnung gestaltet

Hier stellt Linder dar, dass der Gottesdienst prinzipiell von der Beteiligung aller lebt ("Männer und Frauen gestalten den Gottesdienst durch Gebete und Wortbeiträge mit"), jedoch Ordnung, ein gewisses Maß und ein Zusammenhang dazu gehören.

Bei den Versangaben zu 1. Kor. 14 gibt es hier übrigens eine kleine Lücke, die das problematische "die Frau schweige in der Gemeinde" umschifft.


Der Gottesdienst wurde öffentlich und verständlich gefeiert

Der letzte grundlegende Abschnitt erklärt, dass Gottesdienst eine öffentliche Sache war, und dass daher mit Nicht-Christen als Besuchern gerechnet wurde.

Daher bemühten sich die Gemeinden auch, den Gottesdienst verständlich zu halten, was auch bestimmte Ausdrucksformen betraf.

Auch hier fehlt wieder eine Anfrage. Mir wäre hier wichtig darüber nachzudenken, was denn "verständlich" in der heutigen Zeit heißt, die durch die Aufklärung nicht nur mit unterschiedlichen Glaubensinhalten zu kämpfen hat, wie Paulus, sondern vor allem auch mit dem absoluten Unglauben, mit der Abkehr von allem Transzendenten und Metaphysischen.

2007-08-22

Der Abschreckungsmoment des Christseins

Ich kann es mir einfach nicht verkneifen, meine jüngste Blog-Begegnung hier mal zu dokumentieren.

Was da in den ersten drei Kommentaren abläuft, ist für mich wirklich unter aller Kanone.

Da erfolgt auf einen kurzen und knappen Blog-Eintrag als Kommentar(!) ein endloser Sermon in Hoch-Kanaanäisch, der vollumfänglich und abschließend das komplette Weltbild des Herrn Peter S. darlegt.

Dann trägt eine Frau auf zugegebenermaßen recht aggresive Art und Weise ihre Verletzung zur Schau, und als Reaktion darauf wird sie von unserem netten und friedliebenden Herrn S. mal schnell aus dem Blog herauskomplimentiert.

Seine Reaktion auf eine "Junge unbekannte Geschädigte" (wie ist diese Attributierung wohl zu verstehen?), die "den Frieden dieser Platform" stört, ist für mich ein Grund, mich von solchen "Christen" fernzuhalten.

Zu oft bin ich in Foren schon auf solche radikalen Brüder gestoßen. Zu oft habe ich mich gegenüber denen, die sie auf diese Weise verletzt haben, dafür schämen müssen, mich Christ zu nennen.

Wo mit biblischen Floskeln derart um sich geschlagen wird, um der Welt die "Wahrheit" sozusagen einzutrichtern, wo in solch radikaler und zerstörerischer Form Grenzen aufgebaut werden anstatt Brücken zu bauen, wo Verletzungen nicht ausgehalten und behandelt werden, sondern noch in die bereits offene Wunde gestochen wird, da ziehe auch ich mich vom Christentum zurück.

Möge der werte Herr S. ruhig weiter auf seiner friedvollen Spielwiese herumliegen und vielleicht eines Tages feststellen, dass er dort ganz allein ist, weil nicht nur die Andersdenkenden sondern auch seine eigenen Glaubensgeschwister sicherheitshalber den Rückzug angetreten und das Weite gesucht haben.

Ganz ernsthaft, Herr S. : Mir treibt dieses Verhalten die Tränen in die Augen.

Schlimm ist noch, dass soweit ich sehen kann, es nicht einmal die Spielwiese des Herrn S. ist, denn er ist dort nicht als Autor gelistet.
Ich kenne Theolounge noch nicht lange, und hatte es eigentlich in meinen Relevants eingeordnet.
Sollte dies wirklich die Spielwiese des Herrn S. sein, bin ich schleunigst da weg.