2010-08-29

Wunder ...

Auf dem Blog Laut Gedacht hat M. über das Thema Wunder geschrieben. Als ich den Text gelesen habe, gingen so einige Gedanken bei mir los. Und die will ich hier einmal aufschreiben. Dieser Artikel ist keine Antwort, sondern ein eigener Gedankengang, angestoßen durch den Laut-Gedacht-Artikel. Ein Seitenweg quasi.

Hier meine Gedanken, roh geschreiben, daher in loser Folge.


1.) Der letzte Absatz ist gefährlich.
Die Aussage, Gott wirkt Wunder, wo es Menschen katastrophal schlecht geht, er wirkt keine (grossen) Wunder, wo es Menschen gut geht, da es ihnen ja auch ohnedem gut geht, sagt ja in letzter Konsequenz aus, dass wir Gott nicht brauchen, solange wir selber dafür sorgen, dass es uns gut geht:

Es ist unser Gesundheitssystem, unsere Wirtschaft, unser freiheitliches Rechtssystem, dass ein Wirken Gottes überflüssig macht.

Ist das so?

2.) Ein Problem ist, dass wir nur dann etwas als Wunder anerkennen, wenn etwas bestimmtes passiert. Für uns scheint es aber kein Wunder, dass etwas nicht passiert.

Von daher kann die Aussage "wir brauchen keine Wunder, da bei uns ja keine grösseren Katastrophen passieren" auch anders gesehen werden. Es ist vielleicht ein Wunder, dass bei uns keine grösseren Katastrophen passieren, da wir mit unseren Kernkraftwerken, Fabriken, Chemieproduktionen und Verkehrsaufkommen durchaus Potential für katastrophale Ereignisse haben.

3.) Fragen:
Wie passen in dieses Bild Flutkatastrophen in deutschen Grossstädten? (Hamburg, Dresden) http://www.elbelche.de/alt/flut/
... oder andere Katastrophen, die dann eben doch passieren?

Wenn Gott tatsächlich mit Wundern bei Katastrophen eingreift, warum greift er dann nicht vor den Katastrophen ein, so dass sie ausbleiben? (Gute Gegenfrage: Vielleicht tut er das auch,aber wie will man das wahrnehmen, wenn die Katastrophe ja eben nunmal ausbleibt?)

... oder: warum wirkt er nicht Wunder an allen Betroffenen, sondern nur an einzelnen?
(Gott, hab Dank, dass unsere Kinder nicht zum Zeitpunkt X bei der Loveparade waren ... ???)

Grundsatzfrage: Was ist überhaupt eine "Katastrophe"?
Ist das nicht a) eine sehr menschliche Sicht eines faktischen Ereignisses?
Gibt es b) nicht auch subjektive Katastrophen, die nicht unbedingt die Massen betreffen, aber im kleinen Kreis doch genug Not erzeugen, um ein Einwirken Gottes rechtfertigen zu können? Die private Katastrophe eben?

4.) Was ist eigentlich ein "Wunder"?
M. schrieb:
"Auch wenn vieles in unserem Leben (wie Geburten, Nächstenliebe, unwahrscheinliche glückliche Zufälle, die Schöpfung usw.) doch sehr schön und faszinierend ist so sind es doch keine Wunder. "
(Hervorhebung von mir)
Nun, zu sagen, die Schöpfung sei kein Wunder, steht auf wackligen Beinen. Wenn man sagt, dass Dinge wie Geburten kein Wunder sind, da sie ja nunmal natürlicher Teil der Schöpfung sind, so ist das nachvollziehbar.
"Die Schöpfung" selbst aber wäre demnach sogar automatisch ein "Wunder" da sie selbst eben nicht Teil ihrer selbst -der Schöpfung- sein kann.
Ich würde sogar sagen, wenn überhaupt irgend etwas ein Wunder ist, dann ist es genau die Existenz alles Existierenden an sich. Denn man kann nicht die Natur durch die Natur erklären, ohne in einen Zirkelschluss zu geraten.

Daneben hatte ich in der Vergangenheit schon den Eindruck bekommen, dass "glückliche Zufälle" durchaus "Wunder" im Sinne eines Eingreifens Gottes sein können.

Grund: H.P. Dürr beschreibt sehr schön die Zukunft als "Potentialität" der Gegenwart.
Als eine Menge von Optionen, wie die nächste Gegenwart, basierend auf der aktuellen Gegenwart, aussehen könnte.
Die aktuelle Gegenwart ist dann Quasi der Ereignishorizont, wo aus der Menge der potentiellen Gegenwarten die eine, die wir erleben, ensteht. Jeden Moment neu.
Und die Vergangenheit ist dann quasi "geronnene Potentialität". Der Fluss des Möglichen verfestigt sich zum Seienden und erstarrt zum Gewesenen.

Wenn aus der Menge der potentiellen Gegenwarten nun die entsteht, die eine bestimmte
Situation begünstigt, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für dieses Eintreten relativ
gering (wenn auch nicht Null) ist, so kann dies durchaus daran liegen, dass Gott ein Gott des Möglichen, des Potentiellen ist.

(BTW: Viele Geschichten funktionieren genau so: Das nicht Unmögliche aber Unwahrscheinliche ist es, dass die Story weitertreibt. Ansonsten wird sie berechenbar und somit langweilig.
Und wir erleben nunmal His-Story).

So kann man durchaus atheistisch argumentieren, dass die Entstehung der Erde und des
Menschen nur ein Fall statistischer Wahrscheinlichkeiten in einem Universum mit den Gesetzmässigkeiten wie den unseren ist. Trotzdem kann man eben genau darin ein Göttliches Handeln (=Wunder) sehen, dass dieses Universum mit seinen Gesetzmässigkeiten und Potentialitäten überhaupt existiert, und dass ein nicht unmöglicher, aber unwahrscheinlicher Fall überhaupt eingetreten ist.

Hier aber kommen wir an ein weiteres philosophisches Problem:
Die Wahrscheinlichkeit, dass genau unsere Welt existiert ist ggf. sehr sehr klein, aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine ähnlich geartete Welt existiert, vielleicht nicht mehr so. Würden wir nun in einer der anderen möglichen Welten leben, so würden wir vielleicht genau diese als ein Wunder ansehen.

Ist es nun also nur dann ein Wunder, wenn beim Würfelspiel eine Sieben erscheint? (Also: Außerhalb der Gesetzmäßigkeiten)
Aber ist es kein Wunder, wenn eine Fünf genau dann erscheint, wenn man sie so dringend braucht? Der Statistiker würde letzteres Verneinen. Kein Wunder, sondern nur glückliches Zusammentreffen. Aber wenn Gott ein Gott der Möglichkeiten ist, und ein gering wahrscheinliches Ereignis trotzdem zielsicher passieren lässt, wäre das dann weniger göttlich?

Ich glaube nicht. Es gäbe noch mehr dazu zu sagen, doch dazu reicht dieser Artikel nicht.

Soweit zum Thema Wunder an sich. Noch ein weiterer Punkt:

"Man glaubt an einen übernatürlichen Gott und irgendwie sucht dennoch nach immer mehr Übernatürlichkeit. Die Motive dafür sind sehr verschieden. Manchmal habe ich das Gefühl man sucht eine Art persönliches Gottesbeweis und hofft dadurch die Zweifel auslöschen zu können"

Dieser Aspekt geht ggf. noch tiefer:

Die Frage nach der RELEVANZ des Glaubens.

Wenn es einen Gott gibt, aber er greift in diese Welt nicht ein, dann hat er für mein Leben offensichtlich keine Relevanz, und der Glaube somit auch nicht. Es macht keinen Unterschied, ob ich glaube oder nicht. Ob ich bete oder nicht. Wenn Glaube aber Sinn machen soll, dann sollte die Relevanz auch erkennbar, erfahrbar sein.

Und

"Gott erwirbt sich unser Vertrauen, dadurch, dass wir das Wagnis des Vertrauens eingehen und jedes mal neu feststellen, dass es sich gelohnt hat. Vertrauen wächst. Vertrauen ist nicht einfach da, weil ich einen kurzen Moment lang etwas erlebt habe."

Genau darum geht es aber doch.
Frage: Wodurch "stellen wir" es denn "fest", dass es sich gelohnt hat?
Dadurch, dass ein Gebet nicht erhört wurde?
Dass ein geliebter Mensch eine Katastrophe doch nicht überlebt hat (der böse Nachbar aber schon)?
Dass eben KEIN Wunder geschehen ist?

Hier wird es kritisch: Worauf soll ich vertrauen, wenn ich mich auf nichts verlassen kann? Sich nichts als vertrauenswürdig erweist?

So halte ich den Versuch, zumindest auf lange Sicht einen Sinn, eine (gute!) Absicht in den Dingen zu erkennen, schon durchaus für gerechtfertigt. Und das "Wunder" bezieht sich dann auf die großen Zusammenhänge. Das Wunder "Schicksal" eben. Wenn diese Zusammenhänge nicht irgendwann sichtbar werden, woran soll man sich dann halten?

Vertrauen -und damit Glauben- wird schon geprägt und gestärkt durch genau die Erfahrung, dass sich das auch lohnt. Dass man nicht als Betrogener dasteht. Alleingelassen.

Die Frage nach "Wunder" hat somit in meinen Augen schon durchaus seine Berechtigung.

Soweit mal vom MentalRover

2010-08-09

Morgengedanken: Das Gewebe des Lebens

Ein grüner Faden in einem roten Teppich ist bedeutungslos.

Erst viele grüne Fäden in einem roten Teppich werden wahrgenommen. Haben die Chance, Strukturen herauszubilden, Muster. Vielleicht sogar Muster mit Bedeutung.

Die Entscheidungen jedes Einzelnen, zu reden oder nicht zu reden, zu handeln oder nicht zu handeln, haben Einfluss auf seine Umgebung. Auf seine Mitmenschen. Setzen Impulse, oder nicht. Bringen andere dazu, zu reden oder nicht zu reden, zu handeln oder nicht zu handeln, eigene Entscheidungen zu treffen. Aktion führt zu Reaktion führt zu Reaktion führt zu Reaktion.

So sind wir alle Fäden in einem Gewebe. Fäden mit unterschiedlichen Farben. Jede Entscheidung, jede Aktion oder Nicht-Aktion hat Einfluss auf die Umgebung, und somit auf das Gesamtbild.

Zu jedem Zeitpunkt bildet die Summe aller Entscheidungen, aller Aktionen oder Nicht-Aktionen, Strukturen aus. Muster. Und diese Strukturen und Muster verbinden sich zu übergeordneten Strukturen und Mustern, zu Formen, bis sich schließlich das Gesamte zu einer Gesamtstruktur vereint. Die übergeordnete Gestalt des Seins formt sich heraus.

Gestalt des Seins vor dem Hintergrund des Nicht-Seins.

Jede Generation bildet die Basis, das Fundament, auf dem die nächste Generation heranwächst. Entscheidungen, Aktionen und Nicht-Aktionen bestimmen, welche Werte, welche Anlagen, welche Vorlagen wir der nächsten Generation als Grundlage ihrer Entscheidungen mit auf den Weg geben.

Die Welt ist im Wandel. Jede Generation trifft neue Entscheidungen, neue Aktionen und Nicht-Aktionen. Mit jeder Generation verändert sich das Gesamtbild, die Gesamtstruktur über die Zeit. Das Gebilde unterliegt insgesamt einer Evolution.

So wie ein Faden einen Anfang und ein Ende hat, so hat unser Leben ein Anfang und ein Ende.
Und ist doch Teil des Gesamtgewebes namens Leben.
Nicht nur zu einer Zeit, sondern über die Zeiten hinweg betrachtet, bildet das Leben ein Gesamtgebilde. Eine Struktur aus Strukturen der einzelnen Zeiten. Eine Über-Gestalt.

Auch wenn ein Leben nur 80 Jahre dauert, in einer Flut von Tausenden von Jahren, in einem See von Milliarden Individuen pro Generation. So ist doch jedes einzelne Leben ein Faden, der Teil des gesamten Gewebes ist, und mit zum Muster beiträgt.

Und das gesamte Muster mag mehr sein, als eine Ansammlung von Strukturen. Es mag Form haben, mag eine Gestalt bilden. Und mit dieser Gestalt auch Bedeutung.

Vielleicht ist ein Leben wenig bedeutsam, im Vergleich zur Menge an Menschen in der Welt, zu allen Zeiten. Aber jedes Leben ist doch Teil der gesamten Gestalt und trägt dazu bei.
Ein Atom für sich mag unwichtig sein. Aber alle Atome zusammen sind bedeutsam, bilden Körper, Wesen, mich.

Wenn es keine Atome gäbe, gäbe es mich nicht. Die Gesamtheit aller Leben, die wir leben, bildet die Gestalt des Lebens aus. Ein Leben mag für sich betrachtet wenig bedeutsam sein, aber wenn alle Leben bedeutungslos wären, gäbe es die Gesamtstruktur nicht. In der Gesamtstruktur liegt die Bedeutung des Einzelnen. Es geht ums Ganze.

Das Wissen um diese Zusammenhänge könnte unsere Entscheidungen, unsere Aktionen und Nicht-Aktionen beeinflussen. Wo bekommen wir dieses Wissen gelehrt? Sind wir in der Lage, es zu verstehen? Sind wir in der Lage, damit umzugehen? Oder macht es uns hilflos, sind wir überfordert? Resignieren wir?

Wer bin ich? Als Einzelner. In meinem sozialen Umfeld. Auf der Arbeit. In der Gemeinde. In den Beziehungen, in denen ich lebe.

Wer sind wir als Gemeinde? In unserem sozialen Umfeld. Unserer Stadt. Unserem Land. In den Beziehungsstrukturen, die wir leben. Oder auch nicht leben. Gestalten oder auch nicht gestalten.
Kontrollieren, oder einfach nur geschehen lassen.

Der Faden im Teppich weiß nichts von dem Muster, was er selbst mit bildet. Er kann es nicht erfahren. Nicht erfassen. Selbst das Wissen, Teil einer größeren Struktur zu sein, würde nicht helfen. Die Struktur zu Erfassen würde bedingen, sie zu verlassen. Aus ihr aufzusteigen und sie von außen wahrzunehmen. So bleibt es: Das Gewebe des Lebens können wir trotz aller Philosophie und Theologie nie wirklich begreifen. Unser Sein, unser Erleben ist mehr, als wir begreifen können. Hier steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.

Gibt es einen Gott? Wenn ja, dann ist diese Wesenheit außerhalb des Gewebes namens Leben. Außerhalb der Gestalt, die unser aller Sein bildet.
Und damit ist sie erst recht unfassbar. Unbegreifbar. Jeglicher Versuch, sie zu verstehen muss zwangsläufig und unbedingt scheitern.

Alle unsere Versuche, über diese Wesenheit zu reden, sie in Worten darzustellen, müssen zwangsläufig weitaus zu kurz greifen. Sie sind lediglich Metaphern. Angepasst auf unseren Verstehenshorizont. Gedankenmodelle. Und armselige noch dazu.

Doch wo bekommen wir das überzeugend und begreifbar vermittelt? Wo werden uns klar und logisch die Grenzen des Verstehens gelehrt? Ich weiß, dass ich nicht weiß. Ich kenne mein Nichtwissen.

Viel zu oft verwechseln wir die Metaphern, die Gedankenmodelle, mit der Realität. Glauben, wir hätten die Wesenheit vollständig erfasst. Dann "wissen" wir plötzlich so viel. Wir "wissen", wie das Leben ist, wie Gott ist, wer wir sind, worum es geht, was zu tun ist und was zu lassen ist.
Und in diesem Moment entfernen wir uns weiter denn je von der Realität. Der göttlichen Wahrheit. Und wir merken es nicht einmal. Denn das Wissen um die eigenen Lücken und Grenzen setzt zunächst erstmal Wissen voraus. Aber anstatt nach dem Wissen zu streben, sind wir viel zu oft mit unseren Vermutungen und Phantasien zufrieden.

Wo bekommen wir gesundes Wissen gelehrt? Wo finden wir das, was in früheren Zeiten als Weisheit bezeichnet wurde? Das, was die Gesamtheit in den Blick nimmt und sich Zeit und Ruhe für Wahrnehmungen und Entscheidungen lässt? Nicht überhastet, nicht überlastet, nicht überstürzt? Nicht zu kurz greift, blind, mit Scheuklappen?

Quergedachte Gedanken - vertikal erhoben - der Blick frei - über den Tellerrand - zu neuen Horizonten

2009-11-24

Willow Creek "entdeckt" zwanzig Jahre alte Konferenzform

Irgendwie verblüfft und enttäuscht war ich schon, als ich wieder einmal feststellte, wie sehr Willow Creek in einer modernen Gesellschaft verhaftet bleibt und sich nicht von seinen Formen und Prinzipien lösen kann. Und dann -anstatt in Kommunikation mit der Gesellschaft- auf eigene Faust Erkenntnisse machen muss, die andere schon längst hatten.

So lesen wir im Newsletter diesen Monats:
[...]Nachdem der Kongres dann begonnen hatte, setzte am zweiten Tag ein Gewitter-Sturm die Elektrizität außer Gefecht, was bedeutete, dass weder der Beamer noch sonst etwas funktionierten. Der Kongress arbeitet mit hochauflösenden DVDs - also mußten die Anwesenden 4 Stunden lang auf einen Stromgenerator warten. Um die Zeit zu überbrücken, baten die Kongress-Organisatoren die Besucher, die Zeit zu nutzen und in ihren Teams den ersten Kongress-Tag auszuwerten.

Als der Generator endlich zur Verfügung stand, konnte der Kongress fortgesetzt werden. Für das Willow Team vor Ort war das ganze ein Alptraum. Wollten Sie doch gerne den Besuchern einen reibungslosen Kongress anbieten. Aber ... als der Kongress zu Ende war, ergab sich ein überwältigendes Feedback.

Ganze Teams berichteten davon, dass es gerade diese 4 Stunden Team-Zeit waren, die Gott benutzt hatte, um die Impulse des ersten Kongress-Tages zu vertiefen und daraus ganz konkrete Entscheidungen abzuleiten. Was zunächst als Störung wahrgenommen wurde, erwies sich im Nachhinein als großer Gewinn.

Only God ... so heißt es bei Willow immer wieder! Allein Gott kann so etwas bewirken.
Ohne das Wirken Gottes auf diesem Kongress in Abrede stellen zu wollen, finde ich es trotzalledem irgendwie wieder bezeichnend für das eingefahrene Willow-Denken: Kongresse funktionieren mit Beamern und DVDs, und wenn es Ausfälle gibt, ist das eine Katastrophe.
Kongresse funktionieren von vorne, und wenn man Teams und Gruppen Freiräume gibt, einfach drauflos zu arbeiten, dann ist das eine Katastrophe. Halleluja, welch Wunder Gottes, wenn es dann doch funktioniert, und auch noch als richtig gut empfunden wird!

Mich stimmt diese Geschichte eher ein wenig traurig, auf jeden Fall jedoch nachdenklich. Denn schließlich ist die Erkenntnis des beschriebenen Effektes nicht neu. Harrison Owen hatte ähnliche Erkenntnisse bereits 1985, und zwar nicht für eine christliche, sondern für eine Organisationsentwickler-Konferenz. Er schuf damals Open Space, heutzutage eine von mehreren Arten einer sogenannten Unkonferenz (Unconference), z.B. neben dem Bar Camp, welches es als Konferenzform nun auch schon seit mindestens vier Jahren gibt .

Wieso geht also eine so große Institution wie Willow Creek, die sich eigentlich genau mit solchen Themen, wie zeitgenössische Gesellschaft und ihre Erscheinungsformen, Tagungen und Kongressen usw. auskennt, hin und stellt so dar, als hätten sie es ganz plötzlich und völlig neu entdeckt?

Auch hier wieder kann ich nur sagen: Liebe Mitchristen, bleibt am Puls der Zeit! Sonst lauft ihr, wie leider so oft, nur der Gesellschaft hinterher.

Wie schwer scheint es doch im christlichen Sektor zu sein, die Macht des Expert-on-front aufzugeben, die Planungssicherheit der Agenda, die Steuerung und Kontrolle durch Handlungsvorgaben an Arbeitsgruppen und Konferenzteilnehmer, und stattdessen Vertrauen zu entwickeln. Vertrauen in die Teilnehmer und deren Kompetenz, Vertrauen in das, was in einer Gruppe auf dynamische Weise entstehen kann (Emergenz, Schwarmintelligenz, Gruppendynamik, wasauchimmer) und vor allem mal: Vertrauen in eben den Gott, den sie selbst postulieren.

Es ist für mich wirklich schwer zu verstehen, wie man die lebendige Dynamik biblischer Geschichten lesen und glauben kann, und dann völlig erstaunt und verblüfft vor der lebendigen Dynamik der Wirklichkeit steht, und Plänen, Konzepten und Techniken mehr vertraut hat, als dem lebendigen Gott?

Das ist für mich irgendwie bizarr!

2009-11-19

Was ist eigentlich ein "Kategorienfehler" ?

Was ist eigentlich ein Kategorienfehler?

Laut Wikipedia:
Unter Kategorienfehler versteht man eine bestimmte Art von Fehlschluss. Ein Kategorienfehler liegt vor, wenn ein Terminus einer bestimmten Kategorie durch einen Terminus ersetzt wird, der nicht zu dieser Kategorie gehört.
Unter dem Link zum Lexikon der Linguistik finden wir ein Beispiel:

Ein Ausländer kommt zum ersten Mal nach Oxford oder Cambridge, und man zeigt ihm eine Reihe von Colleges, Bibliotheken, Sportplätzen, Museen, Laboratorien und Verwaltungsgebäuden. Nach einiger Zeit fragt er:

„Aber wo ist denn die Universität? Ich weiß jetzt, wo die Mitglieder eines College wohnen, wo die Verwaltung untergebracht ist, wo die Wissenschaftler ihre Versuche machen und so weiter. Aber warum zeigt man mir nicht die Universität, wo die Mitglieder eurer Universität wohnen und arbeiten?“

Dann muss man ihm erklären, dass die Universität nicht noch eine weitere ähnliche Institution ist, ein weiteres Gegenstück zu den Colleges, Laboratorien und Verwaltungsgebäuden, die er schon gesehen hat. Die Universität ist einfach die Art und Weise, in der alles das organisiert ist, was er schon gesehen hat. Wenn man das alles gesehen und die Art und Weise der Zusammenarbeit verstanden hat, dann hat man die Universität gesehen.

Ein Kategorienfehler liegt also dann vor, wenn Begriffe miteinander in Beziehung gebracht werden, die gar nicht zur selben Kategorie gehören.

Ein Kategorienfehler kann aber auch dadurch entstehen, dass in einer Argumentation einem Wort zwei verschiedenene Bedeutungen aus unterschiedlichen Kontexten zugewiesen werden, ähnlich einem "Teekesselchen" (Bank als Sitzgelegenheit und Bank als Geldinstitut).
Meist ist die Verwechselung nicht so klar einsichtig wie in dem Bankbeispiel. Sie tritt meist dann auf, wenn oberflächlich gesehen klare Begriffe von verschiedenen Fachkreisen mit spezifischen Bedeutungen versehen werden.

So ist es in diesem Sinne ein Kategorienfehler, wenn in einer Diskussion um das Wort "Emergenz" auf einen Zusammenhang mit der "Chaostheorie" hingewiesen wird, und als Erläuterung dann der Begriff "Chaos" durch das biblische Tohuwabohu erläutert wird.

Der Fehler besteht darin, dass die Chaosforschung (wie sie besser genannt wird), die sich mit der Theorie der komplexen Systeme (wie sie korrekt heißt) auseinandersetzt, als Teilgebiet der Mathematik den Begriff "Chaos" ganz anders definiert. Sie sieht darin eine bestimmte Form von Prozess, dessen Vorhersagbarkeit stark reduziert ist, da eine minimale Veränderung der Eingangsvariablen zu einem stark verschiedenen Resultat am Ende führen. Dies ist oft auch auf Wechselwirkungen zwischen Variablen des betrachteten Systems zurückzuführen.
Einen Prozess als "chaotisch" zu bezeichnen ist in der Mathematik lediglich die sachliche Bezeichnung einer bestimmten deterministischen Qualität.

Der biblische Begriff Tohuwabohu hingegen drückt prinzipiell einen Zustand (und nicht einen Prozess) aus, der Wüste und Leere, Verwirrung und existenzielle Unordnung beinhaltet und durch göttliches Einwirken erst in den Zustand des "Kosmos", also der Schöpfungsordnung, überführt werden muss. Der Begriff hat somit eine ontologische, durchaus auch wertende Bedeutung und Qualität.

Aus den genannten Beschreibungen geht hervor, dass eine Verwechselung oder Vertauschung dieser beiden Begrifflichkeiten in einer Argumentation zwangsläufig zu Verwirrung und zu Fehlschlüssen führen muss, insbesondere wenn damit auch noch Wertungen verbunden sind.

2009-11-18

Stilblüten ...

Mir ist gerade eben beim Aufräumen ein altes Buch in die Hände gefallen, das sich auf christlicher Basis mit Hilfen für Gemütskranken beschäftigt. Neben so manchen durchaus richtigen und wichtigen Aussagen sind in dem Buch jedoch auch etliche Plattitüden, indifferente Aussagen und Vereinfachungen und Vermischungen zu finden.

Am Interessantesten sind jedoch ein paar Beispiele wirklich schlechten Schreib- und Denkstiles.

So schreibt der Autor:

Wenn wir nach der Ursache der Melancholie forschen, wissen die Kranken oft nichts Bestimmtes anzugeben. Bei einer nicht geringen Zahl setzt die Schwermut ohne jeden erkennbaren Grund ein. Häufig gibt der Kranke jedoch ein bestimmtes Erlebnis an, ...
Na was ist denn nun der häufige Fall? Die Unbestimmtheit, oder die Bestimmtheit?

Mit zunehmender Besserung schwächen sich die krankhaften Erscheinungen mehr und mehr ab.
Nun, das ist quasi eine Nicht-Aussage, da das Abnehmen krankhafter Erscheinungen wohl genau die Definition von zunehmender Besserung ist.

Da die Melancholie eine organisch bedingte Krankheit ist, deren Ursache bis heute noch nicht genau erklärt werden konnte...
Frage: Wie kann man die organische Bedingtheit behaupten, wenn doch die Ursache ungeklärt ist? Oder ist "organisch bedingt" nicht eben die Darstellung einer Ursache?
... während er im depressiven Stadium aufgrund seiner Entschlußunfähigkeit und geistigen Schwerfälligkeit von sich aus seine Stellung aufgibt ...
Verwirrend: Wie kann Entschlußunfähigkeit mit dem aktiven Treffen eines Entschlusses in einem Satz genannt werden?

Nun, wie gesagt, das Buch ist schon älter. Aber es ist durchaus ein Symptom für die Art, wie leider manchmal immer noch argumentiert und publiziert wird. Wenn gerade auch in heutiger, in wissenschaftlichem und logischem Denken trainierter Kultur auf solche mit logischen Stilblüten gespickte Weise argumentiert und gelehrt wird, wird verständlich, warum Christen auf entsprechenden Schauplätzen nur schwer Gehör finden.
Mit tut so etwas immer irgendwie weh.

2009-10-13

Debatte um Emerging Church, Postmoderne und relative Wahrheit

Vor Kurzem ist mir ein bedenkenswerter Aspekt in unseren Diskussionen um Emerging Church, Postmoderne und die Kritiken daran aufgefallen, und den versuche ich hier einmal zu formulieren.

Oft drehen sich Diskussionen um das Für und Wider der Emerging Church um das Thema der Abkehr von absoluten Wahrheiten, um den Relativismus. Die Frage, die die Debatten bestimmt, lautet dann meist: "Können wir eine Relativierung der Wahrheit dulden?" . Und oft werden Gespräche auf der Grundlage geführt, Emerging Church sei zwangsläufig ein Vertreter des Relativismus, da sie sich "Kirche für die Postmoderne" als Etikett anklebt. Entsprechend, sei die logische Folgerung: Wenn ich den Relativismus ablehne, muss ich also auch die Emerging Church ablehnen.

Ein weiterer Denkfaden in der Diskussion ist dabei, dass es darum gehe, eine Entscheidung für Relativismus oder Absolutismus zu treffen, und entsprechend sich für oder wider die Postmoderne, und damit für oder wider Emerging Church zu entscheiden.

Meiner Ansicht nach geht diese Diskussion aber völlig am Kern der Sache vorbei.

Um diese Ansicht zu erläutern muss ich ein wenig ausholen.

Wir leben in einer Zeit, die wir gut und gerne als das Informationszeitalter bezeichnen können. Information und Wissen ist multimedial überall präsent. Das allgemeine Bildungsniveau, obwohl oft beklagt, ist geschichtlich gesehen heute immens hoch.
Konnte man in früheren Zeiten sagen, dass die Menschheit entweder eine Sache X wusste oder nicht wusste, dann konnte man nur noch darüber reden, ob die Sache X in der Schule unterrichtet wurde oder nicht.
Wissen oder Nichtwissen, das waren die Alternativen. Debatten über Sachverhalte wurden in elitären akademischen Zirkeln geführt, und nur Ergebnisse wurden zum Allgemeingut.

In jüngerer Zeit haben wir jedoch immer mehr einen Zustand erreicht, in dem wir es nicht mehr mit ("gesichertem") Wissen zu tun haben, sondern mit Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten. Das Erleben, dass z.B. die Quantenphysik unsere Alltagserfahrung auf den Kopf stellt, wird zum schulischen Unterrichtsstoff. Debatten über wissenschaftliche Sachverhalte werden öffentlich diskutiert. Medien machen Debatten in Form von Podiumsdiskussionen allgemein zugänglich, Internet und Buchdruck haben sich von reiner Wissensvermittlung in Debattenplattformen verwandelt.

Ein Heranwachsender, der sowohl mit der neuen Bildung, den neuen Medien als auch eben mit dem Erleben dieser Debattenkultur heranwächst, steht nun vor der Herausforderung, diese teilweise konträren Informationen einordnen zu müssen.
Da ist zum Beispiel die Atheismusdebatte, die gerne auch auf dem Boden der Evolutionstheorie ausgetragen wird.
Und der junge Mensch wird nun mit einer Fülle an offensichtlich schlüssigen, logischen Argumenten angefüllt. Offensichtlich, bis die Gegenseite mit einem System ebenso schlüssiger und logischer Argumente antwortet. Welche sich im Rahmen von wiederum schlüssiger und logischer Konterargumenten als vielleicht nicht ganz so logisch und schlüssig herausstellen. Und so weiter und so weiter.

Der junge Mensch will aber letztlich einfach leben und an dieser Gesellschaft teilhaben. Da offensichtlich aber keine der beiden Seiten ohne weiteres erkennen lässt im Unrecht zu sein und die andere somit automatisch im Recht wäre, ist er gezwungen, eine Entscheidung zu treffen.

Diese sieht zunehmend so aus, dass er sich der Seite anschliesst, die ihm irgendwann als die Schlüssigere erscheint; als die, mit der er sich wohl fühlen kann. Die ihm intuitiv "passend" oder "stimmig" zu sein scheint. Die irgendwo "authentisch" klingt.
Und danach entscheidet er sich, an keiner weiteren Debatte mehr teilzunehmen. Schluss mit dem Hin und Her, sollen sich andere die Köpfe heiß reden, während ich zufrieden meinen Lebensweg gehe.

So kommt es, dass sich Egon auf die eine Seite stellt, und fertig. Und Hugo stellt sich auf die andere Seite, und gut ist. Jetzt haben die beiden aber ein Problem, wenn sie aufeinandertreffen. Sollen sie nun ihre Seite vertreten und in eine Debatte einsteigen? Nun, beide haben irgendwann festgestellt, dass alle Debatten irgendwo zu keinem klaren Ergebnis führen, und haben sich entschieden, keine ernsthaften Debatten mehr zu betreiben. Beide sind sich der Unfertigkeit und Beliebigkeit ihrer eigenen Einstellung bewusst, und lassen sich daher gegenseitig in ihrer Ansicht stehen. Wenn der Andere mit seiner Entscheidung glücklich ist, soll er es sein, ich bin es auch.

Aus diesem Erleben also kommt es zur Relativierung von Wahrheitsansprüchen. Selbst die Seite, die mich letztlich überzeugt, kann nicht den Anspruch erheben, fehlerfrei und kritiklos wahrhaftig zu sein. Sie ist lediglich für mich irgendwo einsichtiger, "authentischer" als die andere, mehr nicht. Also gibt es keine absolute Wahrheit. Nichts, von dem ich glaube, dass ich den anderen damit letzlich wirklich überzeugen könnte, oder er mich.

In diesem Umfeld also leben wir, und wir treffen als Gemeinden auf eine Gesellschaft, in der immer mehr dieses Erleben Raum findet.

Die Frage ist also gar nicht, ob wir als Gemeinden Postmoderne gut finden, und ob wir den Relativismus gut finden. Er ist da. Als Teil unserer Gesellschaft. Punkt.
Die Frage ist ganz einfach: Wie gehen wir damit um? Und weiter:
Wie gehen wir damit um, im Kontext eines Missionsauftrages, der uns auffordert, die Botschaft auch (und gerade) in diese Gesellschaftsbereiche zu tragen?

Einfach hinzugehen und zu sagen: "Du liegst falsch, du hast nicht recht mit deinem Weltbild" funktioniert nicht. Dem anderen zu sagen: "Dein Relativismus stimmt nicht, aber ich kann dir etwas von der wirklich wahren Wahrheit erzählen", funktioniert wohl auch nicht. Zu sagen: "Komm wir reden über dein Weltbild und ich bringe dir überzeugende Argumente für meines" funktioniert aus obigem Kontext heraus zwangsläufig erst recht nicht! Also was?

Die Emerging Church kann für uns insofern ein Leitbild sein, dass sie auf die postmoderne Kultur und ihr Wesen hinweist, sie quasi darlegt.
Sie versucht uns zu erläutern, wie diese Generation/Kultur denkt, wie sie empfindet. Und sie kann insofern ein Leitbild sein, dass sie die richtigen Fragen an dieser Stelle stellt. Sie versucht herauszufinden, wie denn diese Generation/Kultur denn anzusprechen ist.

Zusammengefasst: Die Frage "ob" oder "ob nicht" geht am Problem vorbei, denn wir haben in dieser Hinsicht viel weniger Optionen, als wir denken, bzw. unsere Optionen sehen ganz anders aus, als wir meinen.
Die Frage ist vielmehr "wie?" - "Auf welche Weise?". Und es wird Zeit, dass wir uns dieser Frage langsam aktiv zuwenden. Es wird Zeit, dass wir uns um Antworten kümmern, die auch passen.

2009-10-02

Postmodern oder einfach nur "da"

Wenn man sich mal wieder in die Debatte um die Emerging Church auf manchen Blogs einliest, so wird ein interessantes Phänomen sichtbar.

Während die einen die Postmoderne beschreiben, und damit auch ihre Sicht der Kirche in der Gesellschaft, bezweifeln andere, wie Sebastian Heck, dass es die Postmoderne überhaupt gibt.
Letztlich kommt man zu der Aussage, dass zumindest die Postmoderne in Deutschland nicht wirklich angekommen ist, und dass Frankreich die Thesen der Philosophen sowieso bereits längst überwunden hat, während in unsere Kirchenwelt nun wieder stark verzögert die Welle aus Amerika rüberschwappt.

Da wird dann über Derrida und Lyotard debattiert, usw. usw.

Dabei scheint mir aber zu sehr die Frage nach dem "Nächsten" (personal gemeint) verdeckt zu werden. Mal ehrlich: Meine Arbeitskollegen, meine Kinder, die Freunde meiner Arbeitskollegen und meiner Kinder ... wo findet man denn jemanden, der Lyotard und Derrida gelesen hat? (Geschweige denn, verstanden).

Damit gehen Debatten völlig an dem eigentlichen Hintergrund vorbei.

Wichtig ist doch einzig und allein die Fragen zu stellen:
  • Wie denkt, wie empfindet, wie erlebt der zeitgenössische Mitbürger in meiner persönlichen Umgebung die Welt?
  • Und wie denke ich, empfinde ich, erlebe ich als Christ und Teilnehmer der Gesellschaft meine persönliche Umgebung, meine Mitmenschen und die Welt?
Rechne ich der christlichen Botschaft einen Wahrheitsgehalt zu? Wenn ja, wie gehe ich dann damit um? Was macht das mit mir? Was mache ich mit meiner Umwelt?

Diese Antworten können nun aufgrund persönlicher Unterschiede und aufgrund von Millieufragen ganz unterschiedlich beantwortet werden. Aber beantwortet werden müssen sie. Und zwar so, dass eine Authentizität zwischen Denken, Reden und Handeln entsteht.

Wenn ich mit dem Blick auf den Nächsten in meiner Umgebung an das Thema Glaube herangehe, dann trete ich in Beziehung. Dann stelle ich Fragen, höre zu, und setze mich auseinander. Versuche Antworten zu finden.

Dann ist es mir aber eigentlich völlig egal, was irgendwelche Philosophen denken oder gedacht haben. Sollten philosophische Prägungen für die Denkweise meines Gegenübers verantwortlich sein, sind sie sowieso unbewusst und tief verborgen. Was zählt, ist die Erfahrung, die jeder mit seiner "Philosophie" im täglichen Leben macht. Und da kann man hinterfragen, ob diese etwas taugt oder nicht.

Wollen wir den Glauben an unsere Mitmenschen in unserem Umfeld weitergeben, so ist letztlich egal, ob diese das Etikett "postmodern" zu recht oder zu unrecht aufgeklebt bekommen. Ob sie "postmodern" sind oder nur "ziemlich postmodern" oder gar nur "im Ansatz postmodern". Was soll's?

Was wir von der Emerging Church -oder: mir gefällt ja Emerging Conversation auch besser- lernen können, ist in jedem Fall die offene Akzeptanz des Anderen, die überhaupt in die Lage versetzt, frei und offen mit dem anderen zu reden, ohne ihn gleich vor den Kopf zu stoßen.

Und was wir lernen können ist, die eigene Position auch immer wieder kritisch zu hinterfragen, und mit seinen Erkenntnissen demütig und veränderungsbereit zu bleiben.

Zuguterletzt können wir dann lernen, auf den anderen und seine Lebenswelt einzugehen, Bezug zu nehmen, wenn wir das Evangelium verkünden. Aber das ist letztlich alter Tobak, den uns Missionare schon längst hätten beibringen können.