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2009-11-18

Stilblüten ...

Mir ist gerade eben beim Aufräumen ein altes Buch in die Hände gefallen, das sich auf christlicher Basis mit Hilfen für Gemütskranken beschäftigt. Neben so manchen durchaus richtigen und wichtigen Aussagen sind in dem Buch jedoch auch etliche Plattitüden, indifferente Aussagen und Vereinfachungen und Vermischungen zu finden.

Am Interessantesten sind jedoch ein paar Beispiele wirklich schlechten Schreib- und Denkstiles.

So schreibt der Autor:

Wenn wir nach der Ursache der Melancholie forschen, wissen die Kranken oft nichts Bestimmtes anzugeben. Bei einer nicht geringen Zahl setzt die Schwermut ohne jeden erkennbaren Grund ein. Häufig gibt der Kranke jedoch ein bestimmtes Erlebnis an, ...
Na was ist denn nun der häufige Fall? Die Unbestimmtheit, oder die Bestimmtheit?

Mit zunehmender Besserung schwächen sich die krankhaften Erscheinungen mehr und mehr ab.
Nun, das ist quasi eine Nicht-Aussage, da das Abnehmen krankhafter Erscheinungen wohl genau die Definition von zunehmender Besserung ist.

Da die Melancholie eine organisch bedingte Krankheit ist, deren Ursache bis heute noch nicht genau erklärt werden konnte...
Frage: Wie kann man die organische Bedingtheit behaupten, wenn doch die Ursache ungeklärt ist? Oder ist "organisch bedingt" nicht eben die Darstellung einer Ursache?
... während er im depressiven Stadium aufgrund seiner Entschlußunfähigkeit und geistigen Schwerfälligkeit von sich aus seine Stellung aufgibt ...
Verwirrend: Wie kann Entschlußunfähigkeit mit dem aktiven Treffen eines Entschlusses in einem Satz genannt werden?

Nun, wie gesagt, das Buch ist schon älter. Aber es ist durchaus ein Symptom für die Art, wie leider manchmal immer noch argumentiert und publiziert wird. Wenn gerade auch in heutiger, in wissenschaftlichem und logischem Denken trainierter Kultur auf solche mit logischen Stilblüten gespickte Weise argumentiert und gelehrt wird, wird verständlich, warum Christen auf entsprechenden Schauplätzen nur schwer Gehör finden.
Mit tut so etwas immer irgendwie weh.

2008-01-02

2007 / 2008 - Jahreslosungen sind mehr als Glückskekssprüche?!

Tja, an dieser Stelle und am zweiten Tag des neuen Jahres will ich auch einen Blick zurück werfen auf das letzte Jahr.

Seit ein paar Jahren ist es tatsächlich interessant, die Jahreslosung mit dem Geschehen zu vergleichen. Schon seit 2001 stelle ich das für mich fest, insbesondere aber auch wieder in den letzten Jahren.

2005: Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
(Luk. 22,32)
War damals tatsächlich ein wichtiger Vers für mich geworden, als einfach eine gewisse Schlaffheit und Müdigkeit aufkam. Glaube ist kein Glaube mehr, wenn er zur Routine wird. Dann steht das 'G' eher für Gewohnheit.
2006: Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht
(Jos. 1, 5b)
Auch dieser Vers war in 2006 ein wichtiger Zuspruch für mich und für andere geworden.

In 2007 nun hat sich bei mir persönlich und in meinem Umfeld einiges ereignet. Es war irgendwie ein aktives, aktionsreiches, hartes Jahr. Und mehr als das.

Meine Gemeinde hat an- bzw. umgebaut, und da die normale Gemeindearbeit darunter nicht leiden sollte, wurden alle Bau-Aufgaben noch zusätzlich erledigt. Für mich hieß das: Umbau an der Tontechnik planen und durchführen. Zig Kabel von den Steckern befreien, Kabel neu verlegen, nachher die Stecker wieder anlöten. Zusätzliche Geräte anschaffen, bedienen lernen und einjustieren. Und das noch alles so, dass zu jedem Wochengottesdienst die Beschallung zumindest provisorisch wieder lief, die JesusHouse-Party zur Gebetswoche stattfinden konnte, die Technik für WhyNot-Gottesdienste zur Verfügung stand, und die JesusHouse Woche in unseren Räumen stattfinden konnte. Für den Herbst stand dann noch eine JesusHouse Party mit drei Bands an einem Abend an -eine Herausforderung für Planung und Durchführung- sowie ein Gospel-Konzert, wozu unsere bisher nur provisorisch aufgebauten Boxen dann auch endlich korrekt installiert sein sollten.

Zusätzlich musste die JesusHouse Satellitenwoche während des ersten Quartals technisch geplant und durchgeführt werden, mit jedem Abend anderer Live-Band, und die JH-DU-Webseiten mussten in ihrem Design überarbeitet werden.
Womit wir beim Stichwort "überarbeitet" wären ...

Während des ganzen Jahres, speziell aber in der ersten Hälfte, bin ich somit quasi in Themen der Veranstaltungstechnik versunken, neben der üblichen Arbeit als Webmaster der Gemeinde und Leiter/Mentor eines Jugendhauskreises, Mitglied in der Jugendband und Mitdenker im Jugendbereich.

Vom Job als Software-Entwickler und den Herausforderungen, die der Zeitpunkt des Roll-Outs eines neuen Produktes zum Kunden mit sich bringt, will ich gar nicht erst anfangen.

Gewarnt wurde ich von befreundeten Beobachtern ja schon etwas länger, aber dieses Jahr wurde die Leistungsgrenze dann deutlich sichtbar.

Anfang der zweiten Jahreshälfte kam dann der Einbruch des Glaubens hinzu. Bei einem Leben, welches fast völlig von Aktivismus, Planung, Durchführung und "gesaugter" Kreativität geprägt ist, und wenig von Sabbath, Spiritualität und Besinnung, bleibt das dann wohl auch nicht aus.

Anfang der zweiten Jahreshälfte stürzte ich also in ein Tief, aus dem ich mich eher langsam wieder erholt habe. Die zweite Hälfte war geprägt von Zweifeln an allem rund um den Glauben, und sehr viel Literatur, die ich aufgesaugt habe wie ein Schwamm. Bücher, Magazinartikel, Blogposts, zu Themen Wissenschaft und Glaube, Evolution, Bewußtsein, Atheismus, aber auch zu Theologie, Philosophie, der Gottesfrage und Leben im Glauben.
Ich war intensiv auf der Suche. Auf der Suche nach Antworten, aber auch erst einmal auf der Suche nach Klarheit über meine Fragen (und irgendwie ist es Ironie, dass dies alles quasi um meinen 42. Geburtstag herum stattfand)

Dieses ziemliche Hin und Her drückt sich dann auch in meinem Nicknamen "MentalRover" aus, der mentale Vagabund.
Nicht alles, was mir in dieser Zeit durch den Kopf ging, hat den Weg in dieses Blog gefunden, auch wenn ich das ursprünglich beabsichtigt habe. Manches hat es nur bis zum Entwurfsbereich geschafft, manches nur in mein Notizbuch, manches blieb einfach nur im Kopf.

Über manches werde ich dieses Jahr sicher noch schreiben, wenn auch vielleicht aus anderer Perspektive, als es letztes Jahr der Fall gewesen wäre.

In dieser Zeit kam ich auch mit dem Begriff Emerging Church in Kontakt, und empfand vieles, was ich dort las als erfrischend. Manche Fragen, die ich hatte, wurden auch dort gestellt. Manche Dinge, die mir eigentlich altvertraut schienen, wurden dort neu beleuchtet und aus anderer Perspektive betrachtet. An manchen Dingen, die ich anzweifelte, wurde dort aber auch festgehalten, sie waren und blieben Basis des Glaubens.

Auch bei den Jugendlichen, mit denen ich zusammenarbeite, blieb meine Veränderung nicht ohne Wirkung. Manche wagten es nun ebenfalls, die Fragen, die ihnen durch den Kopf gingen, laut(er) zu stellen, über ihre Zweifel und ihre Kritik an Glauben und Gemeinde zu reden.
Häufig geht es dabei um Authentiziät, Übereinstimmung von Reden (Predigt) und Handeln der Gemeinde. Sind wir ein frommer Club? Leben wir das christliche Ghetto? Wozu sind wir als Gemeinde da?

Und so muss ich heute sagen, dass in diesem letzten Halbjahr bei mir und anderen in meinem Umfeld einiges aufgebrochen ist, was vorher verkrustet und verrostet war. Dinge neu zu denken und zu hinterfragen war für uns plötzlich nicht mehr "schlimm" sondern wurde möglich. Es kam schließlich auch neu Bewegung in meinen Glauben.

Und hier merke ich, wie durch diesen anfangs auch sehr schmerzvollen Tiefpunkt hindurch die Jahreslosung 2007 Realität wird:
2007: Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen. Jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?
(Jes. 43, 19a)
Letztlich waren die Verse der letzten drei Jahre alle zusammen in diesem einen Jahr vertreten, wie Strahlen im Brennpunkt einer Linse.

Was wird das neue Jahr bringen? Nun, vorneweg stelle ich fest, dass die Bewegung, die im Jugendbereich zu bemerken war, parallel durchaus auch die Gemeinde in Bewegung versetzt hat. Der Männerkreis unserer Gemeinde veröffentlichte kürzlich einen kurzen Artikel und beschrieb, dass sie neu über Möglichkeiten zum missionarischen und diakonischen Handeln nachgedacht haben und im kommenden Jahr konkrete Schritte gegangen werden sollen.
Auch die Gemeindeleitung lädt zu einem Mitarbeitertag ein, der sich um die Frage der missionarischen Möglichkeiten drehen soll.

Wesentlich für mich ist: Als ich das Jahr 2007 begann, hatte ich mir vorgenommen, weniger Aktivismus zu leben, als mehr Beziehung. Die Wirklichkeit sah genau anders herum aus. Ich war always in action und Beziehungspflege litt.
Für dieses Jahr aber sehe ich die Chance, dieses Ziel zu verwirklichen. Und zwar auch deshalb, weil mein Umfeld in eine ähnliche Richtung zu gehen scheint, was die Sache erleichtert.

Hinzu kommt: Die Webseiten wurden bzw. werden auf neue CM-Systeme umgestellt, die es auch erlauben, dass Mitarbeiter der Gruppen selbst ihre Informationen einstellen können. Die Pflege wird somit leichter. Aus dem Technik-Bereich werde ich mich nach und nach zurückziehen. Organisatorisch ist dies schon vorbereitet, das Know-How wird mittelfristig weitergegeben, letzte Aufgaben noch erledigt.
(Natürlich werde ich es nicht lassen können, hier und da an Knöpfen zu drehen, aber das ist dann was anderes ;-) ).
Den Freiraum, den ich bekomme, möchte ich in Beziehungen investieren, sowohl zu meinen Mitmenschen, als auch zu Gott. Ansonsten hoffe ich, die Disziplin aufzubringen, keine neuen Projekte mehr zu starten und mich von neuem Zweck-Aktivismus fernzuhalten. Zeiten des Aufatmens werde ich bewusst suchen.

Was mir im Moment noch fehlt und was ich dieses Jahr bewußt suchen möchte, ist die intensive Erfahrung dessen, was die neue Jahreslosung ausspricht:
2008: Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben
(Joh. 14,19)
So be it, Amen

2007-12-04

Idea fragt: Helfen uns immer neue Bewegungen?

Achtung, Glosse!
Ein sehr interessanter Artikel erschien heute bei Idea Spektrum.

Interessant deshalb, weil drei sehr eigenartige Themen in einem genialen Rundumschlag miteinander vermischt werden.

1.) macht dieser Artikel darauf aufmerksam, dass etablierte diakonische Werke in die Krise geraten, weil ihnen die Spendengelder ausgehen. Das finde ich selbst auch recht bedenklich, gerade bei Einrichtungen, die wirklich am Puls der Not sind, wie das Weiße und das Blaue Kreuz.

2.) macht der Artikel plötzlich und unerwartet die EmergingChurch dafür verantwortlich und stellt sie als neue Bewegung hin, die den Traditionellen durch ihr Auftreten die Spendengelder abgräbt.

3.) kommt das Böse natürlich wieder mal aus den USA, dem pseudo-gläubigen Staat, der eine volkschristliche Fassade vorführt, und unter der Haube die böse Brut trägt, kommen doch aus den USA und dem gleich mit zu verurteilenden Großbritannien auch die Bestseller-Atheisten, die nun den deutschen Markt überschwemmen.

Also: Emerging Church, eine recht neue Bewegung, die im Wesentlichen aus vernetzten Bloggern und Websites, aus Studierenden oder Dozierenden oder im Gemeindedienst Praktizierenden besteht,
keinerlei institutionellen Unterbau hat, und sich in Debatten mit theologischen Fragen und Gemeindeaufbau beschäftigt, wird plötzlich zum Finanz-Feind von etablierten diakonischen Einrichtungen und Werken !
Und man kann der Emerging Church sowieso nicht trauen, weil die Vorzeige-Atheisten kommen ja aus dem gleichen Kontinent!

Genial. Endlich verstehe ich die schwierigen geistlichen und weltlichen Zusammenhänge.

Das klingt wie: Seitdem es Philosophieunterricht an Schulen gibt, spenden weniger Leute Blut. Und Nietsche war sowieso böse.

Das Fazit ist dann wirklich "beeindruckend":

Vielleicht sollte sich deshalb manche US-Bewegung stärker auf das eigene Land konzentrieren. Und manche deutsche Gruppe, die sich nach geistlicher Erneuerung sehnt, könnte wieder einmal fragen, ob nicht auch die vorhandenen Erkenntnisse und Werke es wert wären, genutzt – und möglicherweise optimiert – zu werden.
Eigenartig, dass knapp davor noch folgende Kritik an der Emerging Church zu lesen war:
Andererseits: Es ist kaum eine wirklich neue Erkenntnis dabei gewesen.
Was denn nun, Herr Matthies? Erst sollen vorhandene Erkenntnisse genutzt werden, dann ist es plötzlich verwunderlich, dass nichts Neues dabei ist?

Nebenbei: "Ami go home" und "Kaufe deutsch" ist auch nicht gerade neu ... vielleicht sollten auch vorhandene Erkenntnisse mit diesen Sprüchen einmal wieder hervorgekramt werden?
Die Globalisierung (im Guten wie im Schlechten) scheint jedenfalls am Autor vorbeigegangen zu sein. Back to the National Roots.

Wie gut sich der Autor Herr Matthies in der ganzen Szene auskennt, zeigt auch folgender Satz:
Es ist sicher oft hilfreich, über den deutschen Tellerrand zu blicken, um Anregungen zu erhalten. Aber nimmt man eigentlich noch die Erkenntnisse der eigenen „Väter“ zur Kenntnis?
Nun, Herr Matthies, falls Sie sich einmal die Mühe machen, in die deutsche Blogosphäre rund um die Emerging Church Szene zu schauen, werden sie vielleicht überrascht feststellen, dass man dort tatsächlich Zitate und Abhandlungen zu den eigenen Vätern findet.
Wenn Sie sich dann weiter in das Thema einlesen, werden sie vielleicht auch feststellen, dass gerade auch die Wiederentdeckung verlorengegangener, wertvoller Traditionen ein Kennzeichen der Emerging Church Bewegung ist.

Und wenn Sie dann noch weiter schauen, entdecken Sie vielleicht sogar, dass die Leute hinter der deutschen Szene ständig kritisch danach fragen, ob und inwieweit die amerikanischen Aussagen für Deutschland gelten und hier überhaupt umsetzbar sind. (Übrigens: Genau das kennzeichnet eine Debatte oder "Konversation").

Und wenn ich im Artikel lese, dass gerade die jungen(!) Leute, die versuchen, Glauben und Leben in der zeitgenössischen Gesellschaft ganzheitlich und integrativ zu leben; die versuchen, Mission, Diakonie und authentisches Handeln nicht aus ihrem Leben auszuklammern, sondern viele der traditionellen Kanzel-Predigt-Worte auch tatsächlich umzusetzen, Schuld an der Spendenmüdigkeit der finanzstarken -meist älteren und in eben genau den traditionellen Gemeinden aufzufindenden- Generation sind, dann weiß ich nicht, ob für diesen Artikel überhaupt irgendetwas an Hintergrund recherchiert wurde.

Damit sinkt für mich IDEA einmal mehr auf das journalistische Niveau einer frommen Bildzeitung herab.

2007-10-15

"Was eigenes ...?"

Interessanterweise wurde ich am Wochenende gefragt, ob ich denn auch was Eigenes schreiben würde, oder ob ich nur anderer Leute Texte kommentieren würde.

Zwei Dinge dazu:
  1. Ja, ich habe vor, auch eigene Sachen zu schreiben, komme im Moment zeitlich nur nicht dazu. Mit RoF und der Jahresaufgabe Gottesdienst habe ich ja schon angefangen.
  2. Tja, wenn ich es recht überlege, zitiere und kommentiere ich auch dort in großem Umfang. Aber wie ist das nun mit dem Kommentieren? Nun, ein "Text", etwas "Eigenes", entsteht nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen, im Gesamtumfang. Tatsache ist, dass es nicht darum geht, ob ich in einem Artikel zu soundsoviel Prozent eigenformulierten Text schreibe oder nicht. Das Wesentliche Bild, die Aussage ergibt sich im Gesamtbild einfach aufgrund der Feststellung, was denn zitiert und kommentiert wird. Das Eigene ist möglicherweise ein Mosaik, ein Puzzle, eine Collage.
Was spricht den Rover an? Mit welchen Gedanken beschäftigt er sich? Warum hat er dies jetzt zitiert? Warum das dort kommentiert? Wozu äußert er sich positiv, wozu negativ?

Aussagen werden auf vielen Kanälen gemacht. Das ist nicht nur im gesprochenen Dialog so (vielen fehlt ja Gestik, Mimik und Tonfall bei geschriebenen Texten).

Auch der geschriebene Text oder die Sammlung von Texten ist sehr vielschichtig, sendet auf mehreren Kanälen, will mit mehr als nur einem Auge gelesen werden.

Darum gilt auch bei "nur" Kommentaren: Wer Augen hat zu lesen, der lese...

2007-09-26

Such people do not think

Ein absolut bemerkenswertes Zitat, gefunden als Kommentar zu einem Blog-Post:

Many college graduates—perhaps a majority of them—are not educated.

What is the test?

The test in question is this: Do you read books that you cannot understand easily? Books that require to be read slowly and deliberately? Books that you know are beyond your capacity to understand fully?

If you do not, you are not educated; you do not have the temper and habit of an educated mind; you are not a student.

Do people who fail to meet that test think that they are educated?

No. Such people do not think.

Cassius Jackson Keyser, Mole Philosophy and Other Essays (1927), p. 27


In deutsch:

Viele Hochschulabgänger —vielleicht der Großteil von ihnen— sind nicht gebildet.

Was ist der Test?

Der in Frage kommende Test ist: Liest du Bücher, die du nicht leicht verstehst? Bücher, die langsam und mit Bedacht gelesen werden wollen? Bücher, von denen du weißt, dass sie jenseits deiner Möglichkeiten sind, sie vollständig zu verstehen?

Falls du es nicht tust, bist du nicht gebildet. Du hast nicht das Naturell und die Gewohnheiten eines gebildeten Geistes. Du bist kein Lernender.

Denken Leute, die diesen Test nicht erfüllen, sie seien gebildet?

Nein, solche Leute denken nicht.

Cassius Jackson Keyser, Mole Philosophy and Other Essays (1927), p. 27

2007-09-21

The Other Blog

Weil's so nett ist, habe ich noch ein weiteres Blog angefangen, in dem ich alte Webseiteninhalte schonmal eingebaut habe.
Rover's Camp zeigt die anderen Seiten vom MentalRover (falls sie jemanden interessieren).

2007-08-22

Der Abschreckungsmoment des Christseins

Ich kann es mir einfach nicht verkneifen, meine jüngste Blog-Begegnung hier mal zu dokumentieren.

Was da in den ersten drei Kommentaren abläuft, ist für mich wirklich unter aller Kanone.

Da erfolgt auf einen kurzen und knappen Blog-Eintrag als Kommentar(!) ein endloser Sermon in Hoch-Kanaanäisch, der vollumfänglich und abschließend das komplette Weltbild des Herrn Peter S. darlegt.

Dann trägt eine Frau auf zugegebenermaßen recht aggresive Art und Weise ihre Verletzung zur Schau, und als Reaktion darauf wird sie von unserem netten und friedliebenden Herrn S. mal schnell aus dem Blog herauskomplimentiert.

Seine Reaktion auf eine "Junge unbekannte Geschädigte" (wie ist diese Attributierung wohl zu verstehen?), die "den Frieden dieser Platform" stört, ist für mich ein Grund, mich von solchen "Christen" fernzuhalten.

Zu oft bin ich in Foren schon auf solche radikalen Brüder gestoßen. Zu oft habe ich mich gegenüber denen, die sie auf diese Weise verletzt haben, dafür schämen müssen, mich Christ zu nennen.

Wo mit biblischen Floskeln derart um sich geschlagen wird, um der Welt die "Wahrheit" sozusagen einzutrichtern, wo in solch radikaler und zerstörerischer Form Grenzen aufgebaut werden anstatt Brücken zu bauen, wo Verletzungen nicht ausgehalten und behandelt werden, sondern noch in die bereits offene Wunde gestochen wird, da ziehe auch ich mich vom Christentum zurück.

Möge der werte Herr S. ruhig weiter auf seiner friedvollen Spielwiese herumliegen und vielleicht eines Tages feststellen, dass er dort ganz allein ist, weil nicht nur die Andersdenkenden sondern auch seine eigenen Glaubensgeschwister sicherheitshalber den Rückzug angetreten und das Weite gesucht haben.

Ganz ernsthaft, Herr S. : Mir treibt dieses Verhalten die Tränen in die Augen.

Schlimm ist noch, dass soweit ich sehen kann, es nicht einmal die Spielwiese des Herrn S. ist, denn er ist dort nicht als Autor gelistet.
Ich kenne Theolounge noch nicht lange, und hatte es eigentlich in meinen Relevants eingeordnet.
Sollte dies wirklich die Spielwiese des Herrn S. sein, bin ich schleunigst da weg.

2007-07-06

Text in DNA codiert - produzieren wir bald Godzilla?

In einem Online-Artikel mit dem Titel "Atommüll zum Dessert"berichtet die SZ von einem überaus überlebensfähigen Bakterium, welches Forscher sogar dazu benutzt haben, Information in Form eines als DNA codierten Textes zu transportieren.

Pak Chung Wong vom Pacific Northwest National Laboratory in Richland im US-Bundesstaat Washington übersetzte den Text eines Kinderliedes in den genetischen Code und schleuste die entsprechende DNS-Sequenz in die Gene der Bakterien ein. Noch nach etwa hundert Bakteriengenerationen ließen sich die Strophen mit üblicher DNS-Sequenziertechnik wieder auslesen, die Information war stabil abgespeichert worden.


Hier scheint mir wesentlich, dass doch bekanntermaßen die Information, die aus physikalischen Mustern gewonnen wird, vom interpretierenden System abhängt.

Nur so ist es möglich, dass eine Primzahl auch den gezippten C-Code einer Software enthalten kann.

Was aber ist, wenn ein mit einem Interpretationsansatz in einem Muster dargestellter, quasi geschriebener Text in einem anderen Interpreter beim Lesen zufällig zu anderen Interpretationen führt?


So kann diese DNA ja schließlich plötzlich auch mal als das ausgewertet werden, was sie ist -Genetische Information zur Produktion von Organismen- und somit zu sehr unkontrollierten Resultaten auf biologischer Ebene führen.

Programmierer, insbesondere C-Programmierer kennen dieses Problem der Speicherüberschreibung durch falsche Adressierung bzw. des fehlerhaften Auslesens von Speicherinhalten aufgrund zerstörter Ende-Information.

Dabei werden versehentlich Speicherbereiche mit einem Text ursprünglich anderer Bedeutung überschrieben. Der von anderen Teilen des Systems anders ausgewertete Speicherinhalt führt somit zu unkontrollierten Resultaten, bis hin zum Absturz des Rechners.

Haben wir bald sowas wie "biologische Blue-Screens"?

2007-06-20

There and back again

Was blogge ich hier eigentlich? Was bringt mich dazu, mit dieser neuen Webtec als Medium anzufangen? Wieso steht relativ oft das Wort "Emerging Church" auf der Labelliste?

Nun, seit einiger Zeit jetzt schon ist da das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Mit mir, mit meinem Denken und Glauben, damit, wie ich Gemeinde und die Welt um mich herum wahrnehme und empfinde.

Irgendwie scheine ich bestimmte Dinge anders zu verstehen oder anders zu sehen als andere um mich herum. Oder ich verstehe manches einfach auch gar nicht mehr.

"Es passt nicht" - wäre wohl ein möglicher Ausdruck.

All that is gold does not glitter,
Not all those who wander are lost;

Vor kurzem wurde ich dann auf den Begriff Emerging Church aufmerksam gemacht und ich stelle fest, dass ich zwar nach diversen (wenn auch noch nicht umfangreichen) Lektüren in Buch-, PDF- und Blog-Form immer noch nicht so recht weiß, was ich mir darunter vorstellen soll oder was das für mich bedeuten wird.
Doch stoße ich dennoch überall irgendwie immer auf Sätze, Kommentare, Phrasen, die gewisse Stellen in mir anrühren. Dem oben genannten diffusen Gefühl irgendwie Worte zu geben scheinen.

Literatur, die ich lese, scheint so manches Eingesessene in meinem Denken oder dem Denken um mich herum in Frage zu stellen, oder teilweise sogar schon viel länger in Frage gestellt zu haben. Ist eigentlich richtig, was ich jetzt schon so lange einfach als richtig angesehen habe?
Handelt es sich um assimiliertes Gedankengut oder lediglich um immer wieder ausgespuckte Introjekte (*) ?
Was von dem Alten ist noch gültig? Was ist überholt? Was muss ersetzt werden?

The old that is strong does not wither,
Deep roots are not reached by the frost.

Wie passen Aussagen verschiedener Disziplinen zusammen, Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche? Werden sie ein einheitliches Bild formen? Kann ich sie für mich unter einen Hut bringen?

Hier will ich mich nun auf eine Reise machen, in eine Landschaft, die mir einmal bekannter erschien als sie es im Moment zu sein scheint. Von hier nach dort, von da nach drüben. An manchen Orten vielleicht bleiben, von anderen weiterziehen. Nicht nur auf bekannten Straßen, sondern vielleicht auch mal quer durch die Wildnis.

Womöglich wird dieses Blog eine kleine Dokumentation dieser Reise. There and back again sozusagen.

From the ashes a fire shall be woken,
A light from the shadows shall spring;

Manche meiner Bekannten könnte dieser Eintrag erschrecken. Womöglich kommen sie auf die Idee, ich sei "vom Glauben abgefallen", vor allem weil ich mir vorgenommen habe, auch Gedanken zuzulassen, die sie nicht zulassen können.

Darum will ich zunächst einen Ausgangspunkt festlegen, von dem aus ich die Reise beginne. Einen Ausgangspunkt, den ich vor Kurzem auch in Frage gestellt habe, und dessen Hinterfragung ich prinzipiell auch weiter zulassen werde.
An dieser Stelle muss ich sagen: Ich weiss nicht. Doch ich vertraue darauf, dass
Gott existiert.

Mit diesem Vertrauen als Basis kann ich eine Reise antreten, in dem Wissen, dass er mich auf den Wegen durch diese Landschaft begleiten wird.

Renewed shall be blade that was broken,
The crownless again shall be king.




(*)
vgl. dazu die Theorie der Gestaltherapie

2007-06-14

Na, dann wolln'mer mal ....

So, jetzt hab ich also die berühmten drei Google-Klicks mal durchgezogen.
Dann schaun wir mal, wie das mit dem Bloggen so läuft...

Der Blog-Untertitel
... klingt vielleicht ziemlich hochtrabend, aber mal ganz platt: Genau das ist dieses Blog für mich. Eine Sammlung von Gedanken, die mir zu verschiedenen Dingen durch den Kopf gehen. Snapshots einer Reise durch verschiedene Bereiche, die sich in meiner Gedankenwelt abspielen.

Dieses Blog ist ein ... wie hieß das bei Harry Potter? Pensieve

Ein Blog zu führen, scheint mir nun die logische Konsequenz, nachdem ich eigentlich schon immer irgendwie meine Gedanken notiert, schriftlich strukturiert und mit mir selbst diskutiert habe.