2008-05-08

"Der Eine" Gottesdienst? - Willow Creek verändert Gottesdienstkonzept

Heute morgen flatterte mir der aktuelle Willow-Creek Newsletter in die Inbox, indem bereits zu Anfang eine interessante Neuerung in der Gottesdienst-Ausrichtung bei WC zu lesen ist.

Dort heißt es:
Wärend der vergangenen 30 Jahre gab es in Willow Creek zwei unterschiedliche Gottesdienstangebote. Am Wochenende fand der Gottesdienst für Suchende statt, der sich maßgeblich auf die Bedürfnisse von entkirchlichten Menschen ausgerichtet hatte. Während der Woche gab es den Gottesdienst für die Gläubigen "New Community", in dem Anbetung, Lehre und die Feier des Abendmahls ihren Platz hatten. Viele Jahre hat diese Aufteilung der Gemeinde gut gedient.

Mittlerweile sind jedoch die Bedürfnisse der Gläubigen so unterschiedlich geworden, dass eine zentrale Veranstaltung nicht mehr in der Lage ist, all diesen Bedürfnissen angemessen zu begegnen. Dies hat unter anderem die Studie "REVEAL" zutage gefördert.
Ich bin gespannt, wie sich diese "neue Erkenntnis" denn wiederum auf unsere Gemeinden auswirken wird, die ja gerne mal den neuesten Willow-Trends hinterherlaufen.

Warum "neue Erkenntnis" in Anführungszeichen?
Nun, letztlich hat WC da nicht eine völlig überraschende Weisheit aus dem Hut gezaubert, sondern übernimmt nur, was andere ihnen bereits als Kritik vorgekaut haben.

Der Gedanke, dass "der Eine" Gottesdienst zwar eine löbliche Absicht ist, aber in der Praxis nicht trägt, haben wir vom Jugendbereich unserer Gemeindeleitung schon länger versucht klar zu machen. Zu diesem Zweck versuchten wir, aus Dan Kimball's Buch zur Emerging Church zu zitieren, aber kamen nicht weit.

Nicht mehr "der Eine" Gottesdienst? Kam gar nicht in Frage. Inzwischen sieht man auch dies zumindest ein
klein wenig lockerer.

Eine kleine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist auch in meinem Artikel
JA-GoDi: Gottesdienst - neutestamentlich (Teil 1) zu finden.

Irgendwie wird der Widerspruch in den Ansprüchen einfach nicht deutlich:
  • Man will -auch gerade jungen Menschen- vermitteln, wie wichtig regelmäßige Gottesdienst-Teilnahme für das Gemeinschaftserleben und für die Beständigkeit im Glauben ist.
  • Darauf hingewiesen, dass Jugendliche mit dem "Großen" Gottesdienst nur wenig anfangen können und einen anderen Stil und andere Formen bevorzugen, heißt es dann: "Ja, aber dafür haben wir doch die JesusHouse Parties" (einmal im Vierteljahr !)
Da runzelt Rudi Ratlos resignierend seine Stirn.

Jetzt bin ich wirklich mal gespannt, ob demnächst bei uns Leute von WC-Kongressen wiederkommen und uns verkünden: "Wir sollten mal drüber nachdenken, ob wir nicht vielleicht verschiedene unterschiedliche Gottesdienstangebote machen sollten ..."

Warum habe ich nur immer das Gefühl, dass christliche Gemeinden ständig hinterherhinken?

Und wie wahr sind doch die Worte: "Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande" (Markus 6, 1-4) und "Niemand verachte dich wegen deiner Jugend" (1. Timotheus 4, 12)

Das Problem bleibt allerdings, dass unsere Gemeinden keine Mega-Kirchen mit unendlich Ressourcen sind. Und das mag ein Hindernis sein, dass neue Ansätze und Gedanken bereits in den Kinderschuhen stecken bleiben.

Auch hier ein nettes Zitat aus dem WC-Newsletter, Trailer zu einem WC-Seminar:
[...]Aber viele Gemeinden sind auch in der Umsetzung dieser Vision stecken geblieben. Dies hat vielerorts damit zu Tun, dass zwar Programme verändert wurden, aber nicht die herrschenden Werte in der Gemeinde. Um dauerhaft Veränderung zu erreichen, ist es aber nötig, auf der Werte-Ebene Veränderung zu schaffen.
Da fällt mir der englische Refrain-Text zum Lied Sag mir wo die Blumen sind ein:
"When will they ever learn, when will they ever learn?"

Kommentare:

Matthias hat gesagt…

Woher du das Gefühl hast, dass christliche Gmeinden der Zeit hinterherhinken?

Hmm vielleicht kennst du die Antwort ja schon, aber ich will dir meine geben.
1. Am Gottesdienst wird erst ein wenig rumgeschraubt wenn der Druck, dass sich was ändern muss eine bestimmte Schwelle übertritt.
Es gibt keinen Punkt an dem regelmäßig etwas neues ausprobiert wird.
2. Wenn jemand eine Änderungsidee hat reicht es nicht aus, muss sich ganz aktiv dahintersetzen, damit das einmal umgesetzt wird.
3. Für das Gestalltungsteam gibt es keine richtige Möglichkeit die verschiedenen Bedürfnisse wahrzunehemn. Das Bild wie der Gottesdienst gesehen wird ist nciht zu erfassen, weil man nur vereinzelt Rückmeldung bekommt und dabei auch nie weiß wie viel andere dieser Meinung sind.
4. Da du die Jugendlichen angesprochen hast: Ich habe den Eindruck, dass wenn Erwachsene einen Jugendgottesdienst machen, sie ihn so machen wie er ihnen in ihrer Jugend gefallen hätte. Damit treffen sie die Wünsche der aktuellen Jugend zwar mehr als mit dem "normalen" Gottesdienst, aber lang noch nicht so gut wie die jugendlichen es selbst machen würden.
5. Man kann daraus auch den Umkehrschluss ziehen, dass dies auch für den "normalen" Gottesdienst gilt. Nur das es hier um eine Generation verschoben ist.
D.h. Gottesdienst wird immer im wesentlichen Maße von der Generation bestimmt, die der Zeit etwas hinterher ist.

Verstärkt wird die zeitliche Verschiebung auch durch das alzu wichtige Liedgut, dass erhalten werden muss. Nebenbei behält man dann ein paar alte Wörter. Kombinert man die noch mit frommen Vokabeln und einer Gemeinschaft die im wesentlichen unter sich bleibt hat man eine Grenze geschaffen die es einem ermöglicht nicht mit der Zeit zu gehen.

So jetzt darfst du mich auseinandernehmen^^

bb
Matthias

MentalRover hat gesagt…

Auseinandernehmen???

Das war doch mal eine geniale Analyse :-) .

Ich hatte übrigens neulich ein Gespräch, wo eine Antwort dann mit "Ja, ihr jungen Leute..." eingeleitet wurde, und ich hatte einige Mühe zu erklären, dass man mit über 40 und drei Kindern, von denen einer in Kürze erwachsen ist, so langsam mal aufhört "junge Leute" zu sein.

Dein Punkt 5 zeigt nämlich noch ein weites Problem auf:

Die Alters-Distanz von aktueller Gottesdienstgestaltung zu echtem Jugendgottesdienst ist somit zwei Generationen auseinander, nicht eine!!

Und das muss manchen Alteingesessenen erstmal klar werden.